Einstein, der Medien-Star

Nachhilfekurs für potentielle "Millionenshow"-Teilnehmer: Bernhard Reicher aus Graz ist am Montag an folgender finalen Frage gescheitert: "Wer erhielt 1921 den Nobelpreis für Physik für seine Arbeit über den Photoeffekt?" Hier finden Sie die Lösung.

Ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod, im Zeitalter der Postmoderne und der Pop-Kultur, war sein Konterfei auf vielen Titelseiten bedeutender Zeitschriften. Man begegnete ihm in Filmen, Theaterstücken, in Opern und auf Briefmarken.

Auf zahlreichen Plakaten streckte Einstein der Welt seine Zunge entgegen. Zum Abschluss des 20. Jahrhunderts hatte die amerikanische Zeitschrift "Time Magazine" Einstein zur "Person of the Century" ernannt. Einstein war endgültig ein Medien-Star.

Sonnenfinsternis bestätigt allgemeine Relativitätstheorie

Im Jahr 1919 wird einer der wichtigsten Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie - dass Materie den Raum krümmt - bei einer Sonnenfinsternis experimentell überprüft und bestätigt. Die Relativitätstheorie gerät nun zum öffentlichen Ereignis.

Die London Times bringt am 7. November 1919 - einen Tag nachdem die Ergebnisse der Sonnenfinsternis vom Englischen Astronom und Astrophysiker Eddington bestätigt wurden - drei Schlagzeilen: "Wissenschaftliche Revolution", "Neue Theorie vom Universum", "Newtons Vorstellungen umgestürzt". Es sind Schlagzeilen mit großem Widerhall. Wörter wie "Revolution", "Neue Theorie" und "Umsturz" waren damals noch nicht so abgenutzt wie heute. In der New York Times hieß es: "Lichter am Himmel alle schief."

Verkörperung des amerikanischen Traums

In den USA wurde Albert Einstein wie ein Held gefeiert. Er verkörperte in den Augen der Öffentlichkeit den amerikanischen Traum von Erfolg. Denn als Albert Einstein 1905 seine Theorien ausarbeitet, war er kein renommierter Professor an einer angesehenen Hochschule. Er war ein einfacher Patentamt-Angestellter in Bern. Am 7. Mai 1909 wurde Einstein vom Regierungsrat des Kantons Zürich zum außerordentlichen Professor für Theoretische Physik an der Universität Zürich ernannt.

Ab 1910 wurde er mehrfach für den Nobelpreis nominiert. Mit der spektakulären Bestätigung der Relativitätstheorie 1919 war dann der Weg für diese Auszeichnung frei. Im November 1922 wurde Albert Einstein rückwirkend für das Jahr 1921 der Nobelpreis für Physik zuerkannt.

Nobelpreis, aber nicht für Relativitätstheorie

Er erhielt diese Auszeichnung allerdings für seine Verdienste um die Physik und insbesondere für die Entdeckung des Gesetzes für den photoelektrischen Effekt.

Die Relativitätstheorie fand in der Urkunde keine Erwähnung. Manche meinen, sie galt der Königlich Schwedischen Akademie als wissenschaftlich und politisch zu umstritten. Als Einstein diese Nachricht erreichte, war er gerade zu einer Vortragsreise nach Japan unterwegs.

Denn Zeit seines Lebens bemühte er sich, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse einer breiten Bevölkerung zu vermitteln.

Unverständliche Begeisterung

Bei genauer Betrachtung, so schreibt Thomas Bührke in seiner Einstein Biografie, ist der damalige Rummel rätselhaft. Einsteins Erkenntnisse hatten keinerlei Einfluss auf das tägliche Leben. Überdies verstanden weder die Mehrzahl der Wissenschafter, geschweige denn die Normalbürger, was es mit dem gekrümmten Raum auf sich haben könnte.

Daher müsse man, so meint Thomas Bührke das "Phänomen Einstein" mit seinen vielen Facetten sehen, dass sich nur im historischen Kontext erklären lässt. Nach den Jahren der Entbehrungen - verursacht durch den 1. Weltkrieg - erschien dieser Triumph der reinen Erkenntnis wie ein Lichtstrahl im Dunkel.

Ein zweiter wesentlicher Aspekt des Medien-Hypes ist die Person Einstein selbst. Anders als viele Wissenschafter seiner Zeit war er humorvoll, und hatte keine Scheu, zu politischen und gesellschaftlichen Problemen öffentlich und eindeutig Stellung zu nehmen.

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