Oscar-Nominierung für Don Cheadle

Hotel Ruanda

Es ist vielleicht der am meisten vergessene Bürgerkrieg der jüngsten Zeitgeschichte: jenes Gemetzel im afrikanischen Ruanda, das 1994 an die 800.000 Menschleben forderte. Der Film "Hotel Ruanda" schildert die Ereignisse aus der Sicht eines Zeitzeugen.

Er gilt als "Schindler Afrikas", jener Hotelmanager Paul Ruseabagina, der im April des Jahres 1994 mehr als tausend seiner Landsleute das Leben rettete, als der Bürgerkrieg zwischen fanatischen Hutu-Milizen und der Minderheit der Tutsi ausbrach. Erst um seine Familie zu schützen, und dann, weil er die Massaker nicht mehr mitansehen konnte, öffnete Ruseabagina, selbst Angehöriger der Hutu, den verfolgten Tutsi die Tore jenes Hotels in der Hauptstadt Kigali, in dem er als Manager arbeitete.

Bürgerkrieg mit Happy end?

Es ist dieses dramaturgische Happy end, das hier am Schluss eines Films über einen Völkermord steht, das man dem Film "Hotel Ruanda" als anpasslerischen Kompromiss vorgeworfen hat. Der irische Regisseur Terry George, bekannt als Drehbuchautor für seinen Landsmann Jim Sheridan ("Im Namen des Vaters"), bestreitet den Kompromiss gar nicht: "Um ein breites Publikum zu erreichen", sagt George im Interview, "musste ich mich der Struktur eines Hollywood-Films beugen."

Die Ohnmacht des Westens

George hat Recht: Immerhin wird auf diese Art ein Millionenpublikum erstmals eingehender über einen Konflikt informiert, den es bisher - wenn überhaupt - nur am Rande wahrgenommen haben dürfte: jenen Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi, der eine Spätfolge europäischen Rassenwahns genannt werden darf: Hatten doch die früheren belgischen Kolonialherren die schwarze Bevölkerung Ruandas nach obskuren äußeren Merkmalen in die beiden Stämme aufgeteilt, zwischen denen es dann zum Konflikt kam. Auch die blamabel zurückhaltende (Nicht-)Reaktion des Westens wird im Film thematisiert: Ein von Nick Nolte gespielter UNO-Offizier kann den Abzug europäischer und amerikanischer Truppen aus dem Bürgerkriegsland nicht verhindern.

Film als Menetekel

Neben Nolte und Joaquin Phoenix (als Kriegsberichterstatter) ist es vor allem der Afroamerikaner Don Cheadle als Paul, der diesem Film auch darstellerisch Gewicht verleiht. Er war heuer für diese Rolle sogar für einen Oscar nominiert, musste sich aber "Ray"-Darsteller Jamie Foxx geschlagen geben. Cheadle ist es auch, der in Interviews den Westen immer wieder auf die derzeitige Lage im Sudan hinweist. Dort drohe sich zu wiederholen, was vor einem Jahrzehnt in Ruanda geschehen ist. Film als Menetekel - nicht die unwichtigste Aufgabe des Kinos.

Hotel Ruanda
Großbritannien, 2004
Mit: Don Cheadle, Fana Mokoena, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Jean Reno u. a.
Drehbuch und Regie: Terry George