Ein Zeichen der Kontinuität
Benedikt XVI.
Bereits im vierten Wahlgang wurde der Leiter der katholischen Glaubenskongregation zum neuen Papst gewählt. Mit einer Messe in der Sixtinischen Kapelle hat Papst Benedikt XVI. seinen ersten Tag als neues Oberhaupt der katholischen Kirche begonnen.
8. April 2017, 21:58
Ö1 Livemitschnitt des ersten Auftritts von Benedikt XVI.
Joseph Ratzinger (geb. 16.4.1927) ist der weltweit bekannteste deutsche Kardinal. Ein Theologe im Vatikan meinte einmal, seit Martin Luther habe kein Deutscher die Kirche so sehr geprägt wie der Mann aus Bayern. Andere nennen ihn den "Chefdenker" im Vatikan. Sicher ist, an keinem anderen deutschen Kirchenmann scheiden sich so sehr die Geister wie an Ratzinger. Allerdings: Die meisten und die schärften Kritiker hat er in Deutschland.
Der Sohn eines Gendarmeriemeisters aus Marktl am Inn hatte schon als kleiner Junge den Wunsch, Kardinal zu werden. Nach Theologie- und Philosophiestudium wurde er 1951 zum Priester geweiht, mit nur 30 Jahren habilitierte er und wurde Dogmatik-Professor an der Freisinger Hochschule. Die Wissenschaft hatte ihn gepackt, später lehrte er in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. 1977 wurde er zum Erzbischof von München und Freising berufen, wenig später zum Kardinal.
Der große Karrieresprung
1981 berief Papst Johannes Paul II. Ratzinger nach Rom. Der Posten des Präfekten der Glaubenskongregation war dem kühlen und strengen Denker wie auf den Leib geschrieben. Mit dem Papst sprach Ratzinger Deutsch - aber auch sonst lagen die beiden in Glaubensfragen strikt konservativen Männer auf einer Wellenlänge. Ob Verdammung künstlicher Geburtenegelung, Verbot weiblicher Priester oder Befreiungstheologie in Lateinamerika: Das oberste Urteil im Vatikan trug die Handschrift des Deutschen.
Nirgendwo ist die Kritik an ihm so harsch, so unerbittlich wie in Deutschland, für viele ist der Mann mit den eisgrauen Haaren schlichtweg das Symbol für Dogmatismus und Konservatismus. In vielen Ländern wird er, trotz mancher Kritik, dagegen einfach als "Bewahrer" angesehen - was in Zeiten dramatischen gesellschaftlichen Wandels durchaus anerkennend gemeint ist.
Erste Reaktionen
Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn hat sich am Dienstag Abend "sehr glücklich" über die Wahl von Joseph Ratzinger zum neuen Papst gezeigt. Mit einer möglichen eigenen Wahl habe er "nie ernsthaft gerechnet", meinte Schönborn in der "ZiB 2". Nicht äußern wollte er sich zu Spekulationen, er könne Ratzinger als Präfekt der Katholischen Glaubenskongregation beerben.
Die deutschen Kardinäle wollten keine besondere Auswirkung der Papstwahl auf Deutschland erkennen. "Die Frage nach der Herkunft und Kultur spielt absolut keine Rolle", sagte Kardinal Karl Lehmann. Wetter sagte weiter, der Papst sei "nicht da, um alle Probleme der Menschheit zu lösen". Nur der Kurienkardinal Walter Kasper hatte sich als einziger deutscher Wähler nicht in der Vatikanstadt der Öffentlichkeit gezeigt.
Obwohl viele afrikanische Gläubige auf einen schwarzen Papst gehofft hatten, zeigte sich der kenianische Erzbischof Raphael Ndingi von der Wahl begeistert. "Ratzinger stand Papst Johannes Paul II. so nahe, dass er nicht von seinem Kurs abweichen wird". Er sei nicht enttäuscht, dass es kein afrikanischer Papst geworden sei. "Wir sind glücklich, dass wir einen neuen Papst haben, die Nationalität spielt keine Rolle."
UNO-Generalsekretär Kofi Annan wünschte dem neuen Papst "Stärke und Mut" für sein Amt. Die US-Regierung stellte ein kooperatives Verhältnis zum neuen Papst in Aussicht. Neben dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer, gratulierten unter anderem auch Bundespräsident Samuel Schmid, der französische Staatspräsident Jacques Chirac, Italiens Premier Silvio Berlusconi und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.
Im bayerischen Geburtsort von Joseph Ratzinger ist das Ergebnis der Papstwahl mit Begeisterung aufgenommen worden. Der Bürgermeister von Marktl, Hubert Gschwendtner, zeigte sich stolz, hofft jetzt auf den Wirtschaftsaufschwung in seiner Gemeinde und genehmigte selbiger ein großes Fest.
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