Eine absolute Ausnahmeerscheinung

Sie zählt zu den absoluten Ausnahmeerscheinungen: Die italienische Sopranistin Mirella Freni, die am Sonntag 70 wird. Aus diesem Anlass widmet ihr Ö1 eine Hommage, die ihre bereits 50 Jahre dauernde Karriere, in deren Zentrum Puccini-Werke standen, beleuchtet.

In unserer schnelllebigen Zeit, die sich auch in zahlreichen äußerst kurzen Künstlerkarrieren widerspiegelt, war und ist sie die große Ausnahme: die italienische Sopranistin Mirella Freni, eine der bedeutendsten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts.

Anlässlich ihres 70. Geburtstages, den sie diesen Sonntag feiert, gratuliert Ö1 mit einer Hommage, in der Mirella Freni im italienischen, französischen und russischen Opernrepertoire zu erleben ist. Sie wird in Rollen von Verdi, Donizetti, Mozart, Massenet, Gounod, Cilea, Tschaikowsky - und natürlich Puccini, jenem Komponisten, mit dem der Freni in den 1960er-Jahren ihr internationaler Durchbruch gelang, zu hören sein.

1955 Debüt als Micaela

Bereits 1955, vor 50 Jahren also, hatte die Karriere der Freni begonnen: Als Micaela in "Carmen" gab sie damals ihr Debüt in ihrer Heimatstadt Modena. Nach der Geburt ihrer Tochter unterbrach sie für kurze Zeit ihre künstlerische Laufbahn, um danach umso erfolgreicher wiederzukehren:

In den frühen 60er Jahren gastierte sie bereits beim "Holland Festival", in Glyndebourne, an der Londoner "Covent Garden Opera" und an der "Mailänder Scala". Und sang dabei nicht nur tragische Rollen, sondern auch komische Opern. Ein Beispiel dafür ist die Norina in Donizettis "Don Pasquale".

Inbegriff der "Boheme"-Mimi

Die Mimi in Puccinis "La Boheme" zählt sicherlich zu den am häufigsten gesungenen Rollen der Freni. Und noch Mitte der 1990er Jahre konnte man sie damit in Turin anlässlich des 100jährigen Uraufführungsjubiläums der Oper erleben. Damals war sie zwar bereits über 60 Jahre alt, ihre Stimme aber dennoch wunderbar intakt wie stets zuvor.

Mit der Mimi hat die Freni zuerst 1963 an den "Mailänder Scala" triumphiert und galt dann im gleichen Jahr auch in Wien als die Erfüllung einer idealen Mimi. Übrigens in der legendären, noch immer im Repertoire befindlichen Wiener Produktion aus dem Jahr 1963, bei der Herbert von Karajan am Pult des Staatsopernorchesters stand. Mit dieser Rolle hatte sie auch ihre umjubelten Debüts in Chicago und an der New Yorker "Metropolitan Opera".

Aufnahmen mit Schippers und Karajan

Und gleich zweimal hat die Freni diese Glanzrolle aufgenommen - unter Thomas Schippers neben Nicolai Gedda und unter Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern mit Luciano Pavaratti als Rodolfo, Elizabeth Harwood als Musette und Rolando Panerai als Marcello.

Nur elf Partien in Wien

Erstaunlicherweise hat die Freni nach ihrem triumphalen Wiener Debüt vergleichsweise wenige Rollen hier gesungen, insgesamt waren es nur elf, davon drei Puccini-Partien: Mimi, Liu in "Turandot" und Manon in der "Manon Lescaut"-Produktion von 1986.

In der Premiere dieser Neuinszenierung stand Giuseppe Sinopoli am Dirigentenpult. Mit ihm hatte die Freni bereits zwei Jahre zuvor diese Partie mit Placido Domingo und Renato Bruson als Partnern im Plattenstudio aufgenommen.

Puccini-Werke im Zentrum

Puccini ist einer der zentralen Komponisten im Repertoire von Mirella Freni, Giuseppe Verdi ein anderer - selbst wenn sie gerade mit Verdi auch einen ihrer größten Misserfolge erlebte: Als Violetta in "La Traviata" wurde sie an der "Mailänder Scala" gnadenlos abgelehnt.

Dafür waren ihre Erfolge mit den lyrisch leidenden Frauenfiguren im Verdi-Fach umso größer, vor allem als Amelia in "Simon Boccanegra", als Elisabetta in "Don Carlos" sowie als Desdemona in "Otello".

Eine 50-jährige Karriere

Auch nach 50 Karrierejahren absolviert Mirella Freni noch immer gelegentlich Live-Auftritte. Auch wenn ihr Vibrato mittlerweile etwas weiter als vor 20 Jahren schwingt, so kann man dennoch nach wie vor eine intakte, gerundet warme Stimme erleben.

Grundvoraussetzung dafür ist eine solide Technik. Danach befragt, antwortete die Freni einmal: "Im Grunde genommen habe ich meine Technik selbst erarbeitet. Natürlich habe ich von meinem Lehrer und meinem ersten Mann viel stilistisch gelernt. Aber ich habe alles Technische immer allein erarbeitet. Ich bin mit einer Naturstimme geboren worden, jeder bewunderte meine schöne Stimme. Aber ich wollte schon sehr früh wissen, wie ich jenseits von bloßem Instinkt zu singen habe. Und so habe ich allmählich begonnen, meinen Körper zu beobachten, meinen Atem, wie er funktioniert. Ich habe regelrecht in mich hineingehört. Ich bin stolz darauf, dass ich mir meine Technik selbst erarbeitet habe."