Neu auf dem Markt
Historische Christmas-Recitals
Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft haben die Majors ihre Archive durchforstet und Perlen neu aufgelegt. Darunter finden sich so interessante Paarungen wie Fritz Wunderlich und Hermann Prey, oder technische Experimente, wie das stereophone Remastering einer Kathleen-Ferrier-Mono-Aufnahme...
8. April 2017, 21:58
Gleich drei Primadonnen der 50er und 60er Jahre bietet Decca (Universal-Vertrieb) mit weihnachtlichem Repertoire auf drei CDs an: Die vor wenigen Tagen gestorbene Scala-Diva und Callas-Rivalin Renata Tebaldi, die "Engelsstimme" Toscaninis in relativ späten Aufnahmen von 1971, die australische Koloratur-Diva und Callas-Nachfolgerin Joan Sutherland in einer Londoner Produktion aus dem Jahr 1965 und die Amerikanerin Leontyne Price, ein Liebling unseres damaligen Operndirektors Karajan, die folgerichtig auch im Jahr 1961 in Wien aufgenommen und von Wiener philharmonischen Musikern unter Karajans behutsamer Stabführung begleitet wird.
Alle drei singen ein relativ einfallsloses Programm, keine der Diven lässt Nummern wie "Stille Nacht", Adams "Minuite Chretien", Schuberts "Ave Maria" (das von Bach-Gounod schwänzt nur die Sutherland) aus. Konkurrenzlos ist nur die Price mit einem unbegleiteten Spiritual. Aber alle drei repräsentieren die Spitze des Operngesanges der 60er und 70er Jahre.
Segnungen der Technik
Das ebenso historische Weihnachtsalbum der Deutschen Grammophon (2 CDs) ist schon voriges Jahr auf den Markt gekommen, bietet aber immer noch, künstlerische Höhepunkte von ungewöhnlichem Niveau: etwa das Duo Fritz Wunderlich und Hermann Prey, die drei Monate vor Wunderlichs Unfalltod - mitten im Sommer - zehn Weihnachtslieder aufgenommen und dabei eine Übereinstimmung in der Einfachheit der Stimmführung erreicht haben, die konkurrenzlos ist. Dazu die geschmackvolle Begleitung eines fast solistisch besetzten Barockensembles. Unvergleichlich.
Ebenso indivuduell singt die junge Irmgard Seefried (1952) den Weihnachtslied-Zyklus von Peter Cornelius, Maria Stader eine Gruppe europäischer Weihnachstlieder und Rita Streich Volkslieder - dazwischen Instrumentales.
Tontechnisches Experiment
Nicht weihnachtlich, aber äußerst besinnlich ist die jüngste Kathleen-Ferrier-Publikation der Decca. Die legendäre britische Altistin ist 1953 gestorben und hat ein Jahr davor unter dem Dirigenten Sir Adrian Boult ein sorgfältig zusammengestelltes Programm mit Oratoriennummern von Bach und Händel aufgenommen. Mono natürlich. Hauptsächlich Arien der Matthäus Passion und aus dem Messias. Das wurde eine der erfolgreichsten LPs der Ferrier.
Dann kam die Einführung der Stereotechnik und im Jahr 1960 gelang es dem Aufnahmeleiter der Originalaufnahme, John Culshaw, einem der Produzenten mit fast kulturhistorischer Bedeutung, die Musiker der Originalaufnahme (London Philharmonic) und denselben Dirigenten, Sir Adrian Boult, ins Stereo-Studio zu holen und den Gesang der Ferrier mit einer neu, stereo aufgenommen Begleitung zu mischen. Dieses künstlerisch so hochwertige Stereo-Experiment ist jetzt auf CD erstveröffentlicht worden und eignet sich bestens als Geschenk für Liebhaber großer Stimmen, wenn sie nicht gerade auf Weihnachtslieder fixiert sind.
CD-Tipps
Joan Sutherland, Joy to the World, Decca
Christmas with Loentyne Price, Decca
Renata Tebaldi, Christmas Festival, Decca
Fritz Wunderlich, Hermann Prey, Irmgard Seefried, et. al., Das Weihnachtsalbum, Deutsche Grammophon
Kathleen Ferrier, Vol.7, Bach/Händel, Decca
