Volkstheater als "witzige, schrille, ruppige Bühne"
Schauspieler, Regisseur, Filmemacher & Direktor
Ende des Vorjahres war er überraschend als neuer "Volkstheater"-Chef vorgestellt worden: Michael Schottenberg, Schauspieler, Theater- und Filmemacher. Im Haus am Weghuber-Park ist er durchaus kein Unbekannter. Dort hat er zuletzt Brechts "Mutter Courage" inszeniert.
8. April 2017, 21:58
Er hat das Rennen um die Direktion des Volkstheaters gegen Mitbewerber wie Paulus Manker oder Andrea Eckert gemacht: Michael Schottenberg, Schauspieler, Theater- und Filmemacher. Im vergangenen Frühjahr hat er, wie die APA berichtete, Brechts "Mutter Courage" als "gültige Klassikerinszenierung mit Maria Bill als beeindruckende Hauptdarstellerin" im Volkstheater auf die Bühne gebracht.
Schottenberg, der das Volkstheater ab Herbst 2005 leiten wird, ist diesmal live zu Gast im Ö1 "Klassik-Treffpunkt" bei Otto Brusatti im ORF-KulturCafe des RadioKulturhauses.
Aus 33 Bewerbern ausgewählt
Im Dezember des Vorjahres war Schottenberg überraschend bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz als neuer "Volkstheater"-Chef ab der Saison 2005/06 vorgestellt worden.
Die Volkstheater-Privatstiftung hatte acht der 33 Bewerberinnen und Bewerber um die Nachfolge von Langzeit-Direktorin Emmy Werner zum Hearing gebeten. Und war dabei einstimmig zum Schluss gekommen, der zweifache "Nestroy- "und "Skraup"-Preisträger sei der am besten geeignete Bewerber.
Einhellige Zustimmung der Politik
Diese Entscheidung konnte zügig mit der Kulturpolitik akkordiert werden. "Es war ein Leichtes, mich diesem Vorschlag anzuschließen. Michael Schottenberg ist eine ausgezeichnete Wahl", meinte Kunststaatssekretär Franz Morak (ÖVP) damals.
Und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) würdigte Schottenberg als "eine der erfahrensten, profiliertesten und neugierigsten Theaterpersönlichkeiten der Stadt". Er sei "jung genug, um Neues zu wagen, und erfahren genug, um den Überblick behalten zu können: Man kann ihm das Haus bedenkenlos anvertrauen." Die Grüne-Kultursprecherin Marie Ringler sah in Schottenbergs Bestellung "ein positives Signal für die beginnende Durchlässigkeit zwischen großen Bühnen und Freien Produktionen".
Großes Lob von Emmy Werner
Die derzeitige "Volkstheater"-Direktorin Emmy Werner betonte, es habe "tolle Kandidaten" gegeben. "Bei manchen freut man sich ein bisserl mehr, wenn sie's werden - und dazu zählt der Michael. Ich würde ihn nicht so oft ans Haus einladen, wenn ich nicht so an ihn glauben würde."
"Volkstheater" als "witzige, schrille und ruppige Bühne"
Seine Ansichten legte Schottenberg in einem umfangreichen "Glaubensbekenntnis zum Theater" ab. Theater habe sich einzumengen, es habe frech zu sein, vorlaut, kantig und kratzig, die Stichworte Erotik und Verführung seien ebenso wichtig wie Poesie und Verstörung.
"Mein Volkstheater steht für eine witzige, schrille und ruppige Bühne", so Schottenberg, "ein Umschlagplatz kreativer Energie". Es sei ein Stadttheater mit politisch klar formulierter Positionierung, ein Ensembletheater wienerischer Prägung und ein Repertoiretheater, in dessen Spielplan sich soziales Engagement widerspiegle. "Mein Volkstheater soll auch Sprachrohr für die Sprachlosen sein", daher plane er die Einbeziehung exponierter und sozial schwacher Bevölkerungsgruppen.
Von Klassikern bis zu Zeitstücken
Schottenberg möchte klassische Dramen und Komödien ebenso pflegen wie neue Zeitstücke, möchte sich mit Filmstoffen ebenso auseinander setzen wie mit anderen Kunstsparten und "in sehr knappem und atemlosem Takt" viel auf Studiobühnen und Nebenschauplätzen stattfinden lassen.
"Das Volkstheater muss man nicht neu erfinden", meinte Schottenberg und dankte Emmy Werner, doch "man will die Welt verändern - deswegen macht man was!"
Ausbildung am "Mozarteum"
Michael Schottenberg wurde am 10. Juli 1952 in Wien geboren. Der am Schauspielseminar des "Mozarteum" in Salzburg ausgebildete Schauspieler und Regisseur hatte nie Berührungsängste mit der leichten Muse. Am Wiener Schauspielhaus war er für einige der größten Erfolge der ersten Direktionszeit von Hans Gratzer verantwortlich ("u.a. "Piaf", "Der Kontrabaß" und "Rocky Horror Picture Show"). 1984 gründete er seine Truppe "Theater im Kopf" ("TiK"), mit der er u. a. in einem Zelt vor der Votivkirche mit "Der Widerspenstigen Zähmung" (1987) und "Peer Gynt" (1988) jeweils mehr als 20.000 Zuschauer erreichte.
Für die "Vereinigten Bühnen Wien" inszenierte der mit der Schauspielerin Maria Bill verheiratete Vater eines Sohnes 1994 im Raimund Theater das Musical "Grease", für das Berliner "Schloßparktheater" u.a. 1997 die Bühnen-Version des Film-Hits "Indien". Am Volkstheater Wien führte Schottenberg, der auch einige Filme gedreht hat und als Schauspieler etwa 1999 im Akademietheater als "Merlin" zu sehen war, bereits mehrmals mit Erfolg Regie: bei "Cyrano de Bergerac" (1996, Skraup-Preis), "Mirandolina" (1998) und Nestroys "Der Talisman" (2001).
