Motor oder Bremse?

Mobilität

Egal ob es sich um Fragen nach der Finanzierbarkeit des Sozial- und Gesundheitswesens handelt oder um das Problem der Standortverlagerung von Unternehmen - in all diesen Bereichen scheint Mobilität eine immer größere Rolle zu spielen.

Schlagworte wie Bildungs-, Arbeits- und betriebliche Mobilität beherrschen die Szene. Unternehmen suchen mobile und flexible Mitarbeiter, in diversen Studienrichtungen sind absolvierte Auslandssemester oder internationaler Austausch von Studenten längst an der Tagesordnung.

Geistige Mobilität

Man muss grundsätzlich geistig mobil sein, also bereit sein, lebenslang zu lernen. Aber man muss auch in der Arbeitswelt mobil sein. Nicht nur geographisch, indem man in Korneuburg wohnt und in Wien arbeitet. Sondern man muss auch mobil sein, immer wieder andere Jobs zu machen.

Das gilt nicht nur für Führungskräfte, sondern zunehmend auch für andere Berufe", so Heinz Pechek, der an der Donau-Universität Krems für die Bereiche Information, Telekommunikation und Medien zuständig ist.

Die Österreicher sind zu wenig mobil

Wenn es aber darum geht, für den Beruf, für die Karriere ins Ausland zu gehen, dann trifft man allzu häufig auf Widerstände der Österreicher. Im Gegensatz zu Amerika, wo es üblich ist, in eine andere Stadt zu ziehen und eine andere Arbeit anzunehmen, selbst wenn man Familie und Kinder hat.

"Amerika ist ein Einwanderungsland. Wir Europäer sind agrarisch geprägt und seit jeher an die Scholle gebunden", sagt Pechek.

Mobile Wissenschaftler

In Wissenschaft und Forschung hat man bereits auf die Notwendigkeit von Mobilität reagiert. So fördert beispielsweise die Europäische Union durch verschiedene Programme und Initiativen die Mobilität der Forschenden. Mit dem Ziel, dass bis zum Jahr 2010 rund 700 000 zusätzliche Forscher in den 25 Mitgliedsstaaten tätig sein sollten.

"Um dieses Ziel zu erreichen, wird man für die Jugendlichen in Europa einen Beruf in der Forschung attraktiver machen müssen. Aber man wird auch Spitzenkräfte aus Drittländern nach Europa locken müssen", sagt Eva Gottmann, die sich im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit der Förderung der Mobilität der Forschenden beschäftigt.

Europa hinkt hinterher

Der Grund, warum man in der EU mehr Forscher haben will, ist klar: in diesem Punkt hinkt man nämlich dem großen Konkurrenten USA deutlich hinterher. Dort sind 7,4 von tausend Arbeitskräften in der Forschung tätig, in Japan sind es gar 8,9. In Europa betätigen sich lediglich 5,1 von tausend Arbeitskräften in der Forschung.

Der Unterschied ist noch ausgeprägter, wenn man die in der Industrie beschäftigten Forscher vergleicht: sind von tausend Arbeitskräften in Europa 2,5, die in einem Industrieunternehmen forschen, so beträgt der Anteil der Forscher in der amerikanischen Industrie 7 Arbeitskräfte.

Zu beseitigende Schwierigkeiten

Zu den Sofortmaßnahmen der Europäischen Kommission, um den Forschern einen Aufenthalt in Europa attraktiver zu gestalten, zählt nicht nur eine verstärkte Informationspolitik, etwa über Stipendien oder freie Stellen. Es müssen auch noch zahlreiche Barrieren aus dem Weg geräumt werden, die Forscher bei Auslandsaufenthalten behindern.

So müssen etwa die Einreise- und Aufenthaltsbedingungen für Forscher erleichtert werden. Ein Aufenthalt im Ausland darf für einen Wissenschaftler auch keinen Karriereknick bedeuten.

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The ReasearchersMobility Portal Austria