"Und der Haifisch, der hat CDs"

"Im Haifischbecken der Musikindustrie und des Kulturaustauschs" - so sieht sich Piranha Musik laut Selbstdefinition. Das Label gehört seit seiner Gründung im Jahre 1987 zu den herausragenden Plattenproduzenten und Verlegern der Welt.

CD-Ausschnitt mit Ali Hassan Kuban, Piranha-Interpret

Piranha Musik zählt zu den herausragenden Schallplatten-Produzenten und Verlegern der Welt. Seit 1987 produziert, verlegt und veröffentlicht das Label herausragende Schallplatten hauptsächlich afrikanischer, orientalischer, jüdischer und lateinamerikanischer Herkunft.

Die Feldstudien des Gründers

"Angefangen hat alles damit,“ so Piranha-Gründer Christoph Borkowsky Akbar, "dass ich Mitte der 70er Jahre für eine Doktorarbeit in Ethnologie über Widerstandsbewegungen in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika recherchierte. Das beste an meinen Feldstudien vor Ort waren die Wochenendparties - mit riesigen Ghettoblastern, aus denen Musik von Boney M bis Dolly Parton strömte. Wenn die ihre Batteriekraft verloren, fingen die Leute selbst an, Musik zu machen. Das war faszinierend, cool. Als ich - zurück in Deutschland - an der Atmosphäre der Universitäten zu verzweifeln drohte, merkte ich, wie wichtig Musik, verschiedene Musik für die geistige und körperliche Gesundheit ist."

Benefizkonzert als Keimzelle

Borkowsky Akbar fing an, Festivals zu organisieren, als erstes im Jahre 1979 ein Benefizkonzert für Flüchtlinge aus Afghanistan mit Punk-Kapellen aus Berlin und New York. Das Konzert war ein durchschlagender Erfolg und damit die Keimzelle von Piranha.

1987 wurde das Label gegründet. Die erste Künstlerin, die unter Vertrag genommen wurde, war Stella Chiweshe aus ZImbabwe. 1988 eröffnete Piranha die "Heimatklänge", bis heute Berlins größtes Sommerfestival für Weltmusik mit durchschnittlich zwei- bis dreitausend Besuchern pro Abend.

Erfolgreich durch internationale Kooperationen

Schließlich entstand der Musik-Verlag, der erfolgreich auf internationale Lizenzen und Kooperationen setzt: Microsoft hat bereits zwei Image-Kampagnen mit Piranha-Musik unterlegt: einmal mit der Ballade "Nwahulwana" aus Mozambique, die auch in dem Hollywood-Streifen "Das Versprechen" zu hören ist, in dem Jack Nicholson unter der Regie von Sean Penn die Hauptrolle spielt und einmal mit der rumänischen Gypsy-Brass-Kapelle Fanfare Ciocarlia.

Organisator der WOMEX

Piranha produziert auch Musikvideos und ist Initiator sowie Organisator der WOMEX, der World Music Expo. Sie ist die weltgrößte Weltmusikmesse, die in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet und bereits einen Ableger im Internet hat, die virtualWOMEX. Alle zwei Jahre ist Deutschland der Veranstalter. Dieses Jahr ist Kassel vom 27. bis 31. Oktober Gastgeberstadt.

Musik der Zukunft

Von senegalesischem HipHop bis zu libanesischem TripHop: 42 öffentliche Konzerte mit der "Musik der Zukunft" gehören zu den Höhepunkten des Programms bei der WOMEX. Über 200 Aussteller aus 90 Ländern werden auf der größten Fachmesse der Branche, die zum zweiten Mal auf der Zeche Zollverein stattfindet, alles rund um die Welt-, Roots-, Folk-, Ethno- und Diasporamusik präsentieren.

Die Piranha Allstars

Die Leute von Piranha hatten einen guten Riecher, dass sich ein Netzwerk wie die WOMEX ideal für eine flächendeckende Promotion von Künstlern und Repertoire eignet. Das ist auch gelungen, wenn man die Bands und Stile betrachtet, die Piranha international etabliert hat - und etabliert heißt hier: zwischen fünfzig- und hunderttausend verkaufte CDs, mehr als 41 CD-Acts sind es mittlerweile.

Zu den Piranha Allstars gehören die Klezmatics, eine Klezmer Band aus New York, das Orchestra Marrabenta Star aus Mozambique, Jalilah aus Kairo, Daniele Sepe aus Italien, Mahmoud Fadl aus Ägypten, Eddie Bobè aus Puerto Rico/USA oder das Boban Markovic Orkestar aus Belgrad u. v. a. m.

Travel with your ears

Balkanklänge, Musik aus Afrika, Klezmer, Oriental Dance Music, Latin Funk und Jazz unter dem Motto "Travel with your ears" - seit 17 Jahren setzt das Berliner Label Piranha auf einen gekonnten Mix an Weltmusik. Sie machen ihrem Namen Ehre. Meistens sind sie ein bisschen schneller im Aufspüren neuer Talente, innovativem Repertoire und sehr gefräßig, was das Einverleiben erfolgsträchtiger Bands der Weltmusikszene betrifft.