Österreich hat einen Wein-Skandal
1985
Im Jahr 1985 wird Michael Gorbatschow Kreml-Chef. Er macht die Ausdrücke Perestroika und Glasnost populär. Am Flughafen Schwechat ereignet sich ein Terror-Anschlag. Der Konflikt um Hainburg kann entschärft werden, dafür hat Österreich einen Weinskandal.
8. April 2017, 21:58
Teil 62: 1985
In der Sowjetunion tritt Michael Gorbatschow am 11. März 1985 die Nachfolge des verstorbenen Kreml-Chefs Konstantin Tschernenko als Generalsekretär der KPdSU an. Gorbatschow macht zwei bislang unbekannte Ausdrücke populär: Perestroika (Veränderung) und Glasnost (Öffnung).
Das soll dem Sowjet-Volk die Demokratisierung und eine Annäherung an den bisher verhassten Westen bringen. Zunächst bemüht sich Gorbatschow aber um innenpolitische Reformen.
Annäherung der Supermächte
Gorbatschow hat es aber im eigenen Land nicht einfach. Weder gelingt es ihm das völlig verkrustete Wirtschafts-System zu reformieren, noch ist er im Stande die im weiten Teilen der Sowjetunion aufflackernden Nationalitäts-Konflikte zu lösen.
Doch außenpolitisch kann Gorbatschow große Erfolge feiern: Er setzt die Gespräche über den Rüstungs-Abbau der beiden Supermächte UdSSR und USA weiter fort. Gorbatschow schlägt die Abschaffung sämtlicher Atomwaffen vor und beschließt gemeinsam mit US-Präsident Ronald Reagan die Verschrottung der Mittelstrecken-Raketen.
Terror am Flughafen Schwechat
Die Anspannung im Nahen Osten ist nach wie vor gewaltig. 1985 greift diese auch auf Österreich über: Auf dem Flughafen Wien-Schwechat ereignet sich ein katastrophaler Terror-Anschlag.
Eine Maschine der israelischen Fluglinie El Al sollte nach Tel Aviv starten, als schwer bewaffnete Terroristen eine Handgranate in die wartende Menge beim Check-In werfen. Die Polizei eröffnet daraufhin das Feuer auf die Terroristen. Insgesamt kommen vier Menschen ums Leben.
Beruhigung im Hainburg-Konflikt
Für Österreich bringt das Jahr 1985 die Beruhigung der Auseinandersetzung um das Kraftwerk Hainburg. Im März wird das Konrad-Lorenz-Volkbegehren gegen den weiteren Kraftwerksausbau durchgeführt.
Mit heftigen Worten parieren der Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der Naturschützer Antal Festetics und die Grünen-Politikerin Freda Meissner-Blau die Attacken der E-Wirtschaft. Es sei empörend, mit welchen Mitteln die E-Wirtschaft versuche, die Ziele des Volksbegehrens mies zu machen, außerdem halte die E-Wirtschaft das Volk für dumm.
Wein-Skandal in Österreich
Die schon durch den Hainburg-Konflikt in Bedrängnis geratene Regierung Sinowatz (SPÖ-FPÖ-Koalition) wird in der Folge durch den Glykol-Weinskandal in die Defensive gedrängt. Mit dem angeblich strengsten Weingesetz der Welt wird versucht, den guten Ruf des österreichischen Weines wieder herzustellen.
Der Schaden der Österreichs Wirtschaft durch den Weinskandal entsteht, geht in die hunderte Millionen Schilling. In Belgien beispielsweise werden alle österreichischen Weine verboten. In der BRD, dem Hauptabnehmer österreichischer Weine, werden 30.000 Hektoliter Wein beschlagnahmt, das sind 4,3 Millionen Flaschen. Bundeskanzler Sinowatz ist überzeugt davon, dass nur ganz wenige Weinhändler in diesen Skandal verstrickt seien. Er geht davon aus, dass die meisten österreichischen Weinhändler ein gutes Produkt verkaufen.
