1955

Im Jahre 1955 wird der heiß ersehnte Staatsvertrag für Österreich Wirklichkeit: Die Besatzer verlassen das Land. Der “Österreichische Rundfunk“ berichtet von den bedeutenden Ereignissen. Auch bei der Wiedereröffnung des Burgtheaters ist das Radio dabei.

Teil 32: 1955

1955 ist ein großes Jahr für Österreich. Der seit Kriegsende heiß ersehnte Staatsvertrag wird nach jahrelangen Verhandlungen endlich Wirklichkeit. Mitte April - unmittelbar nach der Rückkehr der erfolgreichen österreichischen Regierungsdelegation aus Moskau - meldet sich Bundeskanzler Raab vom Vöslauer Flugplatz via Radio.

Am 15. Mai 1955 ist dann der große Tag, den wohl niemand, der damals im Garten des Schloss Belvedere dabei war, je vergessen hat. Und Millionen Menschen verfolgen die Übertragung von der Unterzeichnung des Staatsvertrages aus dem Grossen Marmorsaal über ihre Radios. Heinz Fischer-Karwin leitet die Reportage.

Der Staatsvertrag wird unterzeichnet

Nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages durch die Außenminister Molotow, Dulles, Mac Millan und Pinay hält Außenminister Leopold Figl die vermutlich eindrucksvollste Rede seiner Laufbahn.

“1955 erlangt Österreich seine Freiheit in einem Maße, wie es unser Land seit dem Entstehen der Republik im Jahr 1918 noch niemals besessen hatte!“, kommentiert der damals bekannte Journalist Vinzenz Ludwig Ostry.

Die Alliierten verlassen das Land

Gegen Ende des Sommers 1955 beginnen die Besatzungsmächte, das nunmehr neutrale und unabhängige Österreich zu verlassen. Es ist dies ein Abschied mit leicht sentimentalem Anklang, denn schließlich waren die “Vier im Jeep“ vielfach schon zu einem “vertrauten“ Anblick geworden.

Kulturelle Höhepunkte

Ein weiterer Höhepunkt dieses Jahres ist die Wiedereröffnung des Burgtheaters am 15. Oktober. Ewald Balser spielt die Titelrolle in Grillparzers “König Ottokars Glück und Ende“.

Am 5. November 1955 wird auch die Wiener Staatsoper feierlich wiedereröffnet. An der Übertragung von Beethovens “Fidelio“ nimmt nahezu die ganze Welt via Radio teil.