Forschergeist im Unternehmen
Jobprofil Wissenschafter/in, Teil IV
Der Sprung vom universitären zum praktischen Arbeiten ist nach Abschluss des Studiums oft nicht einfach. Und manchmal finden sich junge Wissenschaftler in Arbeitsbereichen wieder, an die sie nicht gedacht hätten.
8. April 2017, 21:58
Die Keks-Technologin Michaela Wistermeyer über ihre Forscherlaufbahn
Eigentlich hat Michaela Wistermeyer nach ihrer Diplomarbeit nur eine Anstellung gesucht. Heute arbeitet die 31-Jährige Absolventin der Universität für Bodenkultur als so genannte Keks-Technologin in der Forschungsabteilung der Firma Haas, die Maschinen und Anlagen für die Waffel- und Keksindustrie entwickelt und verkauft.
Von der Dissertation direkt zur Anstellung
Auf die Möglichkeit im Rahmen einer Kooperation mit der Firma Haas Waffelmaschinen ihre Dissertation zu schreiben, hat sie ihr Diplomarbeitsbetreuer aufmerksam gemacht. "Energiewirtschaftliche Untersuchungen an einer großindustriellen Keksbackanlage" - lautete das Thema ihrer Doktorarbeit, die vom FFF, dem Forschungsförderungsfond für die gewerbliche Wirtschaft finanziert wurde.
Nach der Energiebilanzierung für die großindustrielle Backstraße, folgte ein weiteres vom FFF gefördertes Forschungsprojekt, bei dem sie unter anderem die Energieströme in einem 20 Meter langen Modell-Ofen untersuchte. Danach erfolgte die Anstellung.
Das Lehrgeld der Forscherin
"Ich habe keine Ahnung von Keksen gehabt", so Michaela Wistermeyer. "Durch die Dissertation bin ich von einem universitären Arbeiten zu einem praktischen Arbeiten gekommen, wo ich auch mit einem Schraubenzieher vor dem Ofen gestanden bin und mich überhaupt nicht ausgekannt habe. Da musste ich am Anfang sehr viel Lehrgeld bezahlen, aber das möchte ich jetzt nicht mehr missen."
Heute ist es ihr Job Kunden zu beraten, mit welcher Technologie sie zu ihren Produkten kommen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Ob Kekse, Salzstangerl, Brezel oder Cracker - welche Rohstoffe in den Teig kommen, ist nicht nur eine Frage des Geschmacks.
Damit die großindustrielle Produktion ohne Reibungsverluste läuft, sind komplexe chemische und technische Prozesse zu beachten. Um immer am neuesten Stand der Entwicklung zu sein, arbeitet die Forschungsabteilung für Keksbacköfen mit Universitäten und internationalen Experten zusammen.
Tricksen und Zaubern
Ihre Arbeit kann sie nicht vom Schreibtisch aus machen, betont Wistermeyer. Sie muss sehr viel reisen, oft in entlegene Industrieregionen, um vor Ort Probleme zu lösen. Und da ist nicht selten Improvisation gefragt.
"Ich nenne es Anwendungswissenschaft und da ist gefragt, wie kann ich tricksen und zaubern, dass es trotzdem funktioniert. Die Lösung ist nicht niedergeschrieben, das ist Wissen, das weitergegeben wird, wie eine Geheimwissenschaft.
