Divino Claudio
Kälte, Knechtschaft, Kleidermangel
Ruhm war Claudio Monteverdi nicht in die Wiege gelegt, sondern er wurde unter schwierigsten persönlichen Bedingungen erworben. Monteverdi bahnte der Oper den Weg zu ihrer modernen Form, in seinen Werken verschmelzen vokale und instrumentale Elemente.
8. April 2017, 21:58
In der Frari-Kirche, einem der ältesten und bedeutendsten Gotteshäuser Venedigs, ist in der Ambrosius-Kapelle vor dem Altar eine Grabplatte in den Boden eingelassen, auf der häufig Blumen zu finden sind. Ein schlichter Namenszug informiert den Besucher, dass hier einer der bedeutendsten Musiker Europas begraben ist: Claudio Monteverdi.
Doch der Ruhm war dem Verstorbenen nicht in die Wiege gelegt, sondern unter teils schwierigsten persönlichen Bedingungen erworben.
Musikalische Ausbildung
Monteverdi wird 1567 in Cremona als erstes Kind des Wundarztes Baldassare Monteverdi und der Goldschmiedetochter Maria Maddalena Zigani geboren.
Baldassare schickt den Sohn in die Lateinschule und lässt ihn bei Domkapellmeister Marc Antonio Ingenieri, einem der bedeutendsten Musiker Oberitaliens zu dieser Zeit, musikalisch ausbilden.
Frühwerke
Mit 15 Jahren veröffentlicht Monteverdi unter dem Titel "Sacrae Cantiunculae" dreistimmige Motetten zu Heiligen- und Märtyrergeschichten und bezeichnet sich im Vorwort zu diesem Jugendwerk stolz als: "Discepolo di Ingenieri", als "Schüler Ingenieris".
In den folgenden zwei Jahren lässt Monteverdi die Sammlungen "Madrigali Spirituali" und "Canzonette" drucken. Vom späteren musikalischen Revolutionär Monteverdi ist in den Jugendwerken noch nichts zu spüren.
Am Hof der Gonzagas
Seine erste Anstellung als Musiker führt Monteverdi nach Mantua an den Hof der Familie Gonzaga. Seine Freude ist groß, an einem der berühmtesten und kunstsinnigsten Höfe Italiens beschäftigt zu sein.
Was Monteverdi bei seinem Dienstantritt allerdings nicht weiß: Mantua befindet sich durch die ungeheure Prachtentfaltung und Prunksucht des jungen Herzogs Vincenzo ständig am Rande des Bankrotts, sodass er auf Grund der chronisch leeren Kassen oft monatelang kein Gehalt ausbezahlt bekommt. Und er wird mit den Jahren leidvoll erfahren: Wenn die Gonzaga und ihre Schatzmeister nur irgendwie die Künstler beschwindeln können, an deren Talenten und Werken sie sich erfreuen, so tun sie das auch.
Intrigen um höfische Positionen
Neu und ernüchternd ist für Claudio Monteverdi auch das Intrigantentum um höfische Positionen. Er merkt bald, dass nicht das Können das Wichtigste ist, sondern die feinen Netzwerke aus Bekanntschaften und Zweckfreundschaften, die Beteiligung an Klatsch und Tratsch, das in die Welt setzen und Weiterflüstern von Gerüchten, und die Liebedienerei.
In seinen mehr als 20 mehrheitlich unglücklichen Jahren als Hofmusiker in Diensten der Famile Gonzaga komponiert er bahnbrechende Werke: unter anderem "L'Orfeo", die erste Oper - ihr folgen neun weitere, sowie Madrigale und geistliche Werke. Das bedeutendste davon: "Die Marienvesper".
Erkrankungen und Entlassung
Der anstrengende Hofdienst fordert seinen gesundheitlichen Tribut. Monteverdi erkrankt immer wieder schwer. Ein großer Schicksalsschlag ist der Tod seiner Frau Claudia. Monteverdi wird alleinerziehender Vater seiner beiden Söhne.
Als Herzog Vincenzo Gonzaga stirbt, wird der 45-jährige Monteverdi vom neuen Herzog fristlos entlassen. Arbeitslos, mittellos und schwer verschuldet findet er Unterkunft bei seinem Vater in Cremona.
Kapellmeister am Markusdom
Die Nachricht von seiner Entlassung geht wie ein Lauffeuer durch Italien. Und die musikbegeisterten venezianischen Prokuratoren, die um das Genie Monteverdis wissen, laden ihn zu einer öffentlichen Probe im Markusdom ein.
Mit vier Ja-Stimmen und keiner Gegenstimme engagieren sie Monteverdi als Kapellmeister am Markusdom, einer der prestigeträchtigsten und bestdotierten Musikerposten im damaligen Europa.
Neue Art zu komponieren
Die folgenden 31 Jahre in Venedig sind von einer neuen Schaffenskraft geprägt. Endlich finanziell abgesichert, kann Monteverdi seine auch durchaus angefeindete neue Art zu komponieren weiterentwickeln.
In seinen Werken verschmelzen erstmals in der europäischen Musik vokale und instrumentale Elemente auf gleichberechtigte Weise.
Das erste öffentliche Opernhaus
Er verhilft als erster der Einzelstimme zur Geltung und bahnt der Oper den Weg zu ihrer modernen Form. Als die Patrizierfamilie Tron am 6. März 1637 in Venedig das erste öffentliche Opernhaus der Geschichte eröffnet, komponiert der 70-jährige Monteverdi innerhalb kürzester Zeit zwei große Musikdramen: "Il ritoro d'Ulisse in patria" und "L'incoronazione di Poppea". Beide Opern reißen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.
Als Monteverdi am 29. November 1643 - 76-jährig - stirbt, ordnet die Regierung Venedigs aus Wertschätzung für ihren "Divino Claudio", ihren "göttlichen Claudio", ein Staatsbegräbnis an.
Hör-Tipp
Hörbilder Spezial, Donnerstag, 17. Mai 2007, 9:05 Uhr
