Der unkonventionelle Gedankenspieler

Die Besonderheiten des Otto Grünmandl

Er war ein Meister des absurden Wortwitzes: der Tiroler Kabarettist, Schauspieler und Autor Otto Grünmandl. Mit 54 Jahren begann der Textilkaufmann seine ersten kleinkünstlerischen Experimente. Seine "Alpenländischen Interviews" sind Legende geworden.

Höret was Erfahrung spricht: hier ist's so wie anderswo.
Nichts Genaues weiß man nicht, dieses aber ebenso.


"In den alpenländischen Interviews beschäftige ich mich mit Spielarten des Österreichers. Das war nicht spezifisch tirolerisch von der Absicht her. Ich bin in Tirol geboren und aufgewachsen und da integriert man schon einiges in die eigene Person." So beschrieb Otto Grünmandl seine ersten Ausflüge in das kabarettistische Fach.

Liebe zum Detail

Für sein Publikum setzte er sich später an den "Einmannstammtisch", zeigte sich als Fußbadender im Schwarzen Meer, als Mann aus der Wirtschaft und berief das alpenländische Inspektoreninspektorat ein.

Der Vorhang geht auf... und zwar in Flammen...

Otto Grünmandl verführte mit seinen Aussprüchen und seinen oft sehr unkonventionellen Gedankenspielen zu fantasievollen Ausflügen in die Untiefen der logischen Konsequenz. Genaue Beobachtungsgabe und Liebe zum Detail waren die wesentlichen Zutaten zu Grünmandls Geschichten. Und danach gefragt, führte er den Erfolg eben dieser Geschichten auf deren ökonomisch rationalisierte Gestaltungsweise zurück, eine Methode, die er sich von der Wirtschaft abgeschaut hat. "Ein Komiker muss ja nicht immer aus der Politik kommen", sagte Otto Grünmandl und bezeichnete sich in einem seiner Programme daher folgerichtig als "Mann aus der Wirtschaft".

Lustige Aufklärung

Zwischen dem Komiker und dem Kaufmann sah Grünmandl auch im ganz normalen Leben sehr wohl Parallelen: "Man muss in beiden Fällen versuchen, die Kundschaft zu gewinnen. Als Kaufmann muss man anfangen darzustellen, zu schildern, zum Teil auf Bedürfnisse eingehen - das hat nichts mit Bescheißen zu tun, das ist eine Art von lustiger Aufklärung darüber, was man hat und was man nicht hat. Beim Kabarettisten ist es nicht ganz so, man hat es ja meist nicht nur mit einem Einzelnen zu tun, man hat ein Publikum als Gesprächspartner - wenn's gut geht."

Einmal kam es aber anders, wie Grünmandl erzählt: "Mir ist es leider schon einmal passiert, dass nur der Obmann, seine Frau, eine Kassiererin und ein Zuschauer das Publikum waren. Da habe ich gesagt, jetzt bin ich schon da, die Gage war auch schon abgemacht, also habe ich ein bissl gelesen, dann sind wir ins Gasthaus gegangen und es wurde dann noch ein ganz vergnüglicher Abend. So ist es, wenn man eine Person als Zuschauer hat." In diese Verlegenheit kam Otto Grünmandl allerdings kein zweites Mal.

Unvergessliches Inspektoreninspektorat

Otto Grünmandl, der Meister der spröden wie feinsinnigen Erklärungsmodelle, war vom Publikum hoch geschätzt - egal ob er über das labyrinthische Wesen der Straßenverkehrsordnung sinnierte oder über die Maßnahmen, die es zu ergreifen gilt, wenn ein Mensch mit zu weit auseinander stehenden Zähnen Brot kaut, dabei aus dem Fenster sieht und die Fassade ansabbert. Letzteres war einer der typischen Fälle, bei dem das alpenländische Inspektoreninspektorat aktiv werden musste.

Im März 2000 ist Otto Grünmandl gestorben. In seinen Geschichten und Programmen wird er immer lebendig bleiben.