"Tod in Venedig" bei den Bregenzer Festspielen

Brittens letzte Oper

"Death in Venice" ist Benjamin Brittens letzte Oper. Die Bregenzer Festspiele widmen dem britischen Komponisten heuer einen Schwerpunkt. Der "Tod in Venedig" ist dabei zentrales und eröffnendes Werk. Das Libretto basiert auf Thomas Manns Novelle.

Dem Komponisten Benjamin Britten (1913-1976) widmen die Bregenzer Festspiele heuer einen Programmschwerpunkt. Im Festspielhaus kommt seine letzte Oper "Death in Venice" zur Aufführung, in den Orchesterkonzerten wird das Schaffen Brittens in direkten Vergleich mit jenem von Dmitrij Schostakowitsch gestellt, im Theater am Kornmarkt wird Brittens Operette "Paul Bunyan" gezeigt und auch die Reihe "Kunst aus der Zeit" präsentiert sich "very british" und wirft einen Blick auf die britische Musik der Gegenwart.

Zentrales Werk aber wird "Tod in Venedig" sein, Benjamin Brittens 1973 uraufgeführtes opus 88, dessen Libretto Myfanwy Piper nach anfänglichem Zögern geschrieben hat. Sie fand die Aufgabe, Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" in einem Libretto umzusetzen, eigentlich unmöglich, ließ sich aber im Jahr 1971 - während einer Reise nach Venedig, die sie gemeinsam mit ihrem Mann und mit Benjamin Britten und dessen Lebensgefährten Peter Pears angetreten hatte - eines Besseren belehren: "If Britten said so, it could be done."

Die Story der Oper

In "Tod in Venedig" wird die Geschichte des Schriftstellers Gustav von Aschenbach erzählt: eines Mannes mittleren Alters, der auf der Flucht vor einer Schaffenskrise nach Venedig kommt und sich von diesem magischen Ort neue Inspiration erhofft. Er sieht dort den zwölfjährigen Polen Tadzio, auf dessen klassische Schönheit er mit heftigen Gefühlen reagiert: "So sei’s. Hier will ich bleiben, hier meine Tage der Sonne widmen und Apollo selbst."

Aschenbach beobachtet den Knaben beim Spiel mit dessen Freunden, aus jedem Wettkampf geht der Bub als Sieger hervor, als strahlender Held. Aber er spricht den Buben nicht an, er ist sich der Gefahr, die Grenzen seiner bisherigen Welt zu überschreiten, bewusst und meint dennoch in Tadzio jene vollkommene Form zu erkennen, um die er - Aschenbach - sein Leben lang in seinen Werken gekämpft hat: "This pure lines shall form my style. The power of beauty sets me free."

Aschenbach folgt dem Jungen

Der Kampf, den Aschenbach mit sich führt, der Kampf zwischen Eros und Vernunft, erfährt neue Dramatik, als der Schriftsteller hört, dass in Venedig eine Cholera-Epidemie grassiert. Die Furcht, Tadzios Familie könnte von der Seuche erfahren und Venedig verlassen, treibt Gustav von Aschenbach dazu, den Jungen durch die ganze Stadt zu verfolgen, er hält erst vor der Schlafzimmertür des Buben inne und versucht, sein offizielles Selbstbild in Einklang mit seinem Sinnlichkeitswahn zu bringen.

Doch dann bekommt auch Tadzios Familie Kenntnis von der drohenden Gefahr, noch ein letztes Mal darf der Knabe mit seinen Freunden am Strand spielen, aber er geht nicht mehr als Sieger aus den Wettkämpfen hervor, er wird unterworfen und gedemütigt. Aschenbach will dem Buben zu Hilfe eilen, doch der entschwindet, der Schriftsteller bricht in seinem Stuhl zusammen.

Britten im Rollstuhl

Benjamin Britten schrieb große Teile von "Death in Venice" am Schauplatz seiner Oper, eine unheilbare Herzerkrankung hatte ihn an den Rollstuhl gefesselt.

Britten beendete die Partitur im März 1973, am 16. Juni dieses Jahres kam sie in Aldeburgh zur Uraufführung, die Partie des Gustav von Aschenbach sang Brittens Lebensgefährte Peter Pears.

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Beginn der Bregenzer Festspiele
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Hör-Tipps
"Tod in Venedig", Mittwoch, 18. Juli 2007, 19:30 Uhr

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Veranstaltungs-Tipp
Bregenzer Festspiele, Mittwoch, 18. Juli 2007 bis Sonntag, 19. August 2007,
Ö1 Club-Mitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (10 Prozent beim Spiel auf dem See und in der Oper).

Links
Bregenzer Festspiele
Britten-Pears Foundation - Death in Venice