Fernsehen mit dem Handy

Mobiles Fernsehen kommt. Was auf den Handys, mit denen man fernsehen kann, zu sehen sein wird, ist noch nicht ganz so klar. Die auf den Handys gezeigten Sendungen müssen den Erfordernissen der neuen Verbreitungsmöglichkeit angepasst werden.

Mobiles Fernsehen kommt, soviel steht fest. Es ist nur noch nicht so ganz klar, was auf den Handys, mit denen man auch fernsehen kann, zu sehen sein wird. Das Programm von Handy-Fernsehen muss nämlich zwei wichtige Komponenten berücksichtigen: die Bildfläche wird kleiner, dafür kann man jetzt überall fernsehen.

Diese Verkleinerung der Projektionsfläche und die Vergrößerung der Nutzungsmöglichkeiten sind in der Entwicklung der audiovisuellen Medieninhalte nichts Neues: Mobiles Fernsehen und stationäres Fernsehen scheinen sich momentan in einer ähnlichen Situation wie Kino und Fernsehen in den 1950er Jahren zu befinden: Zum Kino kam das Fernsehen hinzu, jetzt kommt zum stationären Fernsehen das mobile hinzu. In beiden Fällen wurde die Projektionsfläche verkleinert.

Und in beiden Fällen ergeben sich für die Zuschauer erweiterte Nutzungsmöglichkeiten: Durch das rasche flächendeckende Aufkommen der Fernsehgeräte war die Nutzung von audiovisuellen Inhalten nicht mehr nur an den Kinosaal gebunden; durch mobiles Fernsehen wandert die Fernsehnutzung auch aus dem Wohnzimmer aus und wird an jedem Ort und zu jeder Zeit möglich.

Da sich Nutzungsmöglichkeiten und Sehgewohnheiten änderten, musste es beim Hinzutreten des Fernsehens zum Kino auch zu einer Anpassung der Darstellungsformen kommen, die sowohl auf die Reduktion der Projektionsfläche als auch auf die neuen Nutzungsbedingungen Rücksicht nimmt: zu Hause fernzusehen bedeutete eine größere Souveränität in der Mediennutzung als der Kinobesuch, schnell auch eine größere Vielfalt und danach Fernsehen rund um die Uhr.

Die Inhalte mussten für den - im Vergleich zur Kinoleinwand - sehr kleinen Bildschirm aufbereitet werden. In einer Übergangszeit wurde für das Fernsehen sehr ähnlich wie für das Kino produziert, später entwickelten sich ganz spezifische Fernseh-Darstellungsformen und eigene Regeln (Dramaturgie, Kamera, Schnitt und Ton). So wurden beispielsweise weniger Totalen, dafür aber mehr Großaufnahmen eingesetzt, kürzere Erzählformate wie Serien kamen auf. Parallel dazu änderten sich die Sehgewohnheiten und die Erwartungen der Zuschauer an die Inhalte und ihre Präsentation.

Eine vergleichbare Situation lässt sich heute für das Aufkommen von mobilem Fernsehen feststellen: Für die Rezipienten ergibt sich durch die Chance, auf Handys überall und jederzeit fernzusehen, eine Erweiterung und Vergrößerung der Möglichkeiten zur Mediennutzung - wieder einmal auf einem kleineren Bildschirm. Die auf den Handys gezeigten Sendungen müssen den Erfordernissen der neuen Verbreitungsmöglichkeit angepasst werden. Bei Handy-Fernsehen befindet sich die Entwicklung der spezifischen Darstellungsformen noch in ihren Anfängen. Hier erwarten uns wohl einerseits Kurzdramaturgien, weniger Erzählstränge als bisher, Stereotypen und Klischees, die beim schnellen Erfassen von Charakteren in kurzer Zeit helfen, andererseits harte Schnitte und kaum Überblendungen, weniger rasche Bewegungen und mehr Nah-Einstellungen. Also wie bei der Weiterentwicklung des Kinos zum Fernsehen Vereinfachungen in der Dramaturgie sowie Rücksichtnahme auf den kleineren Bildschirm.

Die Geläufigkeit der Zuschauer im Umgang mit den neuen Medienangeboten ist derzeit noch nicht beziehungsweise kaum ausgeprägt. Solange sich die Rezipienten noch nicht an die kleinen Bildschirme und die neuen Möglichkeiten gewöhnt haben, werden die mobilen TV-Inhalte noch sehr ähnlich aussehen wie die Inhalte im stationären Fernsehen.

In absehbarer Zeit allerdings werden sich die Rezipienten an die neue Fernsehwelt gewöhnt haben - so wie sich die Kinogeher an den Fernseher gewöhnt haben.

Und wer weiß, vielleicht steht dem mobilen Fernsehen in der Weiterentwicklung des stationären Fernsehens ja ein ähnlicher Erfolg bevor wie dem Fernsehen in Weiterentwicklung des Kinos.

Julia Wippersberg ist Universitätsassistentin am Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und beschäftigt sich laufend mit mobilem Fernsehen.

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