95 Jahre Simpl

"Schau'n Sie sich das an!" Mit dieser legendären Redewendung hat Karl Farkas unzählige Male seine Conferencen beendet und die Sketches der Simpl-Revuen angekündigt. Der Simpl, Österreichs älteste Kleinkunstbühne, feiert heuer seinen 95. Geburtstag.

Michael Niavarani begrüßte 1993 erstmals das Publikum

Der Simpl in Wien hat ein berühmtes Vorbild: das Kabarettlokal "Chat Noir", das in Paris von Rudolphe Salis 1881 eröffnet worden war, als das erste "Cabaret artistique", eine Künstlerkneipe mit Bewirtung. Vier Jahre später gründete Egon Dorn in Wien eine vergleichbare Kleinkunstbühne: den Simpl, wieder zwei Jahre später engagierte er den "Meister des Wortes und der Satire", wie Fritz Grünbaum im Oktober-Programmheft des Jahre 1914 angekündigt wurde.

Fritz Grünbaum und Fritz Löhner-Beda schrieben in diesen Anfangsjahren viele Texte des Simpl, dann auch Armin Berg. Der Conferencier hieß Heinz Conrads, die Diseusen Carli Naglmüller und Mizzi Dressl, sowie das Musiker-Ehepaar Josma Selim und Ralph Benatzky sorgten für den guten Ton in den Simpl-Revuen.

Blitzdichter Farkas

In den 1920er Jahren stieß auch Karl Farkas als Blitzdichter zum Simpl-Team. Gemeinsam entwickelt der Publikumsliebling mit dem um 13 Jahre älteren Fritz Grünbaum eine neue Kabarettgattung: die Doppelconference. Einer Anekdote zufolge, die im neuen Simpl-Buch von Julia Sobieszek Erwähnung findet, soll Fritz Grünbaum nämlich zunächst nicht recht an das Talent von Karl Farkas geglaubt haben. Um ihn zu testen soll Fritz Grünbaum, im Publikum sitzend, dem jungen Blitzdichter Karl Farkas immer schwierigere Begriffe, Namen und Wortgebilde zugerufen haben. Farkas dichtete schnell und gekonnt, sodass sich eine wahre Pointenschlacht entwickelt haben soll. "Dichterschlacht am Mikrophon" heißt ein Sketch aus dem Jahr 1934, der dieser Geschichte nachempfunden ist.

Damals schon bot der Simpl seine bis heute erfolgsträchtige Mischung aus derlei Reimspielen, aber auch unterhaltsamen Sketches, Chansons und aktuellen Conferencen.

Glanzzeit in den 1950er Jahren

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte der neue Impressario Otto Grünhaus Oegyn die alten "Simpl"-Darsteller zurückzuholen. Conferencier in diesen ersten Nachkriegs-Revuen war Ernst Waldbrunn. Auch Heinz Conrads, Gunther Philipp und Raoul Retzer standen auf der Bühne des Simpl. Hermann Leopoldi und Helly Möslein kehrten nach Wien zurück, schließlich auch Armin Berg, Hugo Wiener, Cissy Kraner.

Und noch jemand stand nach dem Zweiten Weltkrieg zum ersten Mal auf der Bühne des Simpl: Maxi Böhm, in der Revue "Rendezvous der Komiker" von Hugo Winer und Peter Wehle. Die Direktoren des Simpl wechselten in diesen Jahren häufig. Als Karls Farkas Anfang der 1950er Jahre die künstlerische Leitung wieder übernahm und selbst auf der Bühne in der Wollzeile stand, war der Erfolg wieder garantiert. Im Ensemble führte er, das hat Julia Sobieszek in vielen Interviews für Ihr Buch "Zum Lachen in den Keller" herausgefunden, ein ziemlich strenges Regiment. Das bestätigt auch Fritz Muliar. Er war - wie viele Wiener Publikumslieblinge - in einigen Simpl-Revuen zu sehen. Gemeinsam mit Karl Farkas, Fritz Heller und Heinz Conrads, der ihn schon während des Zweiten Weltkrieges zum Simpl gebracht hatte, spielte er den Russen in der Sketschserie "Die Vier im Jeep".

Erste Schritte für Neulinge

Karl Farkas und Ernst Waldbrunn, der "Gscheite und der Blöde", führten viele Jahre die Tradition der Doppelconference im Simpl weiter. Am 16. Mai 1971 starb Karl Farkas in Wien und wurde in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt: "Das Lachen des Jahrhunderts" - so Maxi Böhm - war verstummt.

1974 trat Martin Flossmann, Jurist und Schauspieler, die Nachfolge als Impressario im Simpl an: Ensemblemitglieder in dieser Phase waren unter anderem Edith Leyrer, Maxi Böhm, Louis Strasser, Kurt Sobotka und für einige Zeit auch Erwin Steinhauer. Geboten wurden ganz nach Simpl-Manier revueartige Chansons, Persiflagen und Sketches.

Neben den üblichen Simpl-Nummernkabaretts bot Martin Flossman auch zunehmend Solokabarettisten eine Auftrittsmöglichkeit im Haus in der Wollzeile: Erwin Steinhauer, Otto Grünmandl und Lukas Resetarits waren die ersten, die im Simpl gastierten. Mit der Revue "Bulli packt aus" ging die Ära Flossmann 1993 zu Ende, der Impressario nahm ein Theaterangebot in Berlin an und Albert Schmidleitner, sein langjährige Geschäftsführer, kaufte den Simpl. Die künstlerische Leitung wurde dem erst 25-jjährigen Michael Niavarani übertragen. Am 8. September 1993 startet die erste Revue "100 Jahre Ketchup" mit Jutta Bauer, Sigrid Hauser, Birgit Nawrata, Michael A. Mohapp, Gottfried Neuner, Andreas Steppan, Viktor Gernot und mit Michael Niavarani als neuer Conferencier.

Hör-Tipp
Contra, Sonntag, 23. Dezember 2007, 22:05 Uhr

Buch-Tipp
Julia Sobieszek, "Zum Lachen in den Keller. Der Simpl von 1912 bis heute", Amalthea Verlag

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