Sachen gibt's...
This is Austria!
In Österreich gibt es, glaube ich, keine Särge an den Straßen zu kaufen, dafür haben wir hier Milch, Schwedenbomben und halbe Kinder. Um hier die Kurve vor dem Freitod zu kriegen, bedarf es eigentlich keiner großen Anstrengung. Wir danken dir, o Herr!
8. April 2017, 21:58
Im Urlaub trinke ich Kaffee und esse Schwedenbomben. Die heißen jetzt nicht mehr so, weil das angeblich rassistisch war. Sie schmecken auch nicht mehr so wie früher, vielleicht war auch der Geschmack rassistisch. Sie schmecken jetzt leider beschissen, die Hülle ist zu süß, die Fülle noch süßer, und sie füllt den Hohlraum nicht mehr aus. Was an politischer Korrektheit zugestanden wurde, hat man bei der Zuckermasse gespart.
Zeus hat, weil Prometheus ihn betrogen hatte, den Menschen die Pandora geschickt, und jetzt haben wir den Salat, zum Beispiel in Form der "Kronen Zeitung", welche ich zu meiner Bombenjause lese. Ich lese alte "Kronen Zeitungen" lieber als neue. Da steht über Karl den Fünften: "Gnadenlos arrangierte er die Ehe zwischen dem gelähmten Francesco Sforza und einem halben Kind." Kommt eine Hochschwangere zum Bäcker; sie: "Ich krieg' einen halben Gewürzbauern." Bäcker: "Sachen gibt's...!"
Noch besser als die "Kronen Zeitung" ist aber das illustrierte Fernsehprogramm "Österreich". Da war von einem "Sex-Angriff auf Haider" zu lesen. Das fand man in "Österreich", der "Fackel" für Heteros, grauslich. Denn irgendein Blauer hatte gesagt, dass Haider schwul sei. Schwule sind in der FPÖ gerade en vogue, irgendein blauer Kärntner ist sogar aus der Partei ausgeschlossen worden, so halb, weil er etwas Hässliches über Homosexualität gesagt hatte. So etwas wird vom Schulterblatt nicht goutiert, oder doch? Ich kenne mich nicht aus. Muss auch nicht, ich habe Urlaub.
Und Depressionen. M. ist fort (This is Africa, baby!), für vier Wochen, und ich fühle mich sehr allein, ganz arm, wie eine blinde Kirchenmaus auf LSD. Ein Glück, dass ich schon so alt bin und weiß, dass man die Abwärtsspirale abfangen und umdrehen muss, um noch älter zu werden. Früher wusste ich das nicht und lief zur Ärztin, schwatzte ihr Tabletten ab und verlor meine Libido, dafür wollte ich mich nicht mehr entleiben. Auf diesen Deal lasse ich mich jetzt nicht mehr ein. Jetzt verwende ich das "Projekt X" als Antidepressivum, das ist gratis, weil man es auch als Podcast bekommt, und es ist jetzt noch lustiger als früher, weil ich die Leute kenne, die es machen. Auch die hier veröffentlichten Kolumnen wird es bald als Podcasts geben, weil Ö1 jung und am Puls der Zeit ist. Da ich die Kolumnen-Podcasts erst aufnehmen werde, muss die Entleibung noch warten.
Gerade kam ein E-Mail aus einer Stadt, wo es keine Milch gibt, dafür Särge an der Straße zu kaufen. M. lebt also noch. Die Arme muss ununterbrochen in die Kirche rennen und danken für alles Mögliche, weil ihr Aufenthalt dort von einer Kirchenorganisation gestaltet wird. In dem Maße, wie mein Mitleid wächst, reduziert sich meine Depression - ich habe politisch korrekte Schwedenbomben, alte "Kronen Zeitungen", und auf Milch kann ich sowieso verzichten, ich trinke meinen Kaffee schwarz, damit ich nicht wieder eine Gastritis bekomme, habe schon die Wiener Wohnung sauber gemacht und umgestellt, heute auch die Sommerwohnung hier, und das G auf dem Foto hab' ich auch selber gemacht. This is Austria, baby!
