Blick nach vorn
Andreas Rebers ist "auf der Flucht"
"Je sorgfältiger du deine Zukunft planst, desto wirkungsvoller trifft dich der Zufall", meint Andreas Rebers. In den vergangenen Jahren wurde er mit den wichtigsten Preisen und Auszeichnungen dekoriert, zuletzt mit dem Deutschen Kabarettpreis 2008.
8. April 2017, 21:58
Andreas Rebers gilt mittlerweile als der Florian Silbereisen der Deutschen Fernsehsatire und darf man Rebers, jener schillernden Figur deutscher Satire, glauben, wurden die Datensätze seiner Homepage sogar vom Pentagon, der CIA und der Hamas heruntergeladen. Dabei will er doch nur gut aussehen und mit seinem Publikum einen netten Abend verbringen. Aber da ist noch diese Vergangenheit. Er hat einen Migrationshintergrund. Rebers ist nämlich ein Schlesier, der in Niedersachsen aufgewachsen ist und versucht, sich in Bayern zu integrieren. Dem gerecht werdend nannte er sein aktuelles Solo "Auf der Flucht".
"Schlesier kommen auf die Welt, fangen an zu arbeiten, fallen irgendwann einmal um und sind tot", so Rebers. "In den Sarg bekommen sie noch eine Werkzeugkiste mit, weil man weiß ja schließlich nicht, wie das da oben weitergeht. Schlesier bleiben auch im Paradies Schlesier. Dort stehen sie eine Stunde vor Gott auf und sagen 'Was ist los, wann fangen wir an?'"
"Mit geistreichem Sprachwitz entlarvt er vermeintliche Biedermänner und echte Brandstifter," beschreibt die "Berliner Morgenpost" die Qualitäten des Komödianten. Nach Salzburger Stier und Deutschen Kleinkunstpreis erhält Andreas Rebers im Jänner 2009 in der Nürnberg Tafelhalle nun auch den Deutschen Kabarettpreis.
Haus- und Schulmeister Rebers
Für seine Programmfigur begibt sich Rebers immer wieder gerne auf die Suche nach der wahren Heimat und wähnt sich damit nicht allein. "Millionen und Abermillionen machen sich auf den Weg. Zu Land, zu Wasser und in der Luft. Aus aller Herren Länder und aus aller Frauen Gärten suchen wir unser Glück in der heiligen Globalisierung. Da drängen sich wichtige Fragen auf: Wer kommt rein und wer fliegt raus? Was macht die Welt mit Osama bin Laden, aber ohne George Bush? Wann ist man zu Hause und wann auf der Flucht?" All diese Fragen versucht der Kabarettist in seinem Flucht-Programm auch publikumswirksam zu thematisieren.
Auf der Bühne stellt sich Andreas Rebers gerne auch als Absolvent der Braunschweiger Hochschule für "Haus- und Schulmeisterei" vor. Dort hätte er eines gelernt: Die Lösung ist gut, aber das Problem ist falsch.
Im wirklichen Leben hat Andreas Rebers einiges mehr gelernt: "Ich bin tatsächlich ein ganz geschickter Handwerker", behauptet er. "Ich war auch einige Jahre auf Montage, habe auf Baustellen im Irak, in Saudi-Arabien und Kuwait gearbeitet. Bei mir war's ja so, dass wir in der Familie nicht so viel Geld hatten. Es gab zwar ein bisschen Bares, aber für Auto und so mussten wir das Geld selber aufbringen. Also bin ich auf Montage gegangen und habe mir dadurch einen gewissen Luxus erarbeitet. Ich hatte ein volles Sparbuch und konnte mir einen VW-Bus kaufen und das war für einen Studenten eine Supergeschichte. Ich habe immer gejobbt, in Fabriken, überall, ich habe nie etwas geschenkt bekommen. Heute habe ich drei abgeschlossene Berufe. Ich bin Grund- und Hauptschullehrer mit erstem und zweiten Staatsexamen, habe Diplompädagogik studiert und abgeschlossen und habe Musik studiert und abgeschlossen."
Unterwegs mit den liebsten Freundinnen
Andreas Rebers lässt in seinem aktuellen Solo auch seine Strapsmaus in Erscheinung treten. Sie soll all jene ungestellten Fragen beantworten, die es sich leichter vertont an das Publikum bringen lässt. Verbal radikal und exemplarisch musikalisch geht es in die nächste Runde und nach seinen Befindlichkeiten namens Ich, Überich, Untermir und Außersich ist Andreas Rebers diesmal definitiv "bei sich".
Wieder mit dabei sind auch seine liebsten Feindinnen Frau Mmbemba aus Kilimansharo, Frau Rashpranvrathi Sasahara aus Indien, Frau Hammer, geschiedene Sichel aus Hannover. Und neu im Kompetenzteam: der Erotikexperte Professor Dr. Swoboda Manshari aus Tschechien. In seinem musikalischen Kabarettprogramm über den rasenden Stillstand in den Netzen und Herzen lockt der Künstler mit "heiteren Melodien und herben Worten. Da kracht der Surrealismus in den tristen Alltag der Familie, und der subversive Humor leuchtet heller als jeder Fundamentalismus. (...) Das Schlimmste, was man über mein Programm sagen kann, ist dass es ein runder Abend war, bei dem alles gesagt wurde", meint Andreas Rebers.
Wichtiger Hinweis des Kabarettisten: Dieses Programm wird sich am Ende der Vorstellung selbstständig zerstören.
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Andreas Rebers
Nürnberger Burgtheater - Der Deutsche Kabarettpreis
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