Überwindung der Konventionen
Verdis "Macbeth"
In der Wiener Staatsoper hat Montagabend Giuseppe Verdis blutrünstige Oper "Macbeth" Premiere. Inszeniert hat Vera Nemirova, Ö1 überträgt live. Mit "Macbeth" ließ Verdi die Konventionen der italienischen Oper weit hinter sich.
8. April 2017, 21:58
"Ich glaube, dass diese Oper unserer Musik eine ganz neue Richtung geben und den Komponisten von heute und in der Zukunft neue Wege eröffnen wird", so Giuseppe Verdi in einem Brief während der Entstehung seiner Oper "Macbeth". Nie zuvor hatte er die Konventionen der italienischen Oper so sehr hinter sich gelassen wie in diesem Werk - keine Oper der traditionellen Art, sondern ein durch und durch düsteres Drama hatte er geschaffen, ein Werk, dessen Kardinalthema "Mord" von kaum einer Kontrastfarbe, von keiner Liebeshandlung aufgelockert wird.
Und dazu hatte er mit "Macbeth" - insbesondere in der Überarbeitung für Paris 1865 - eine für ihn gültige Form der musikdramatischen Gestaltungsweise gefunden: rezitativische und ariose Teile wurden zu großen musikalischen Szenenkomplexen zusammengeschlossen.
Teuflische Stimme gefordert
Erstmals hatte Verdi für dieses Werk auf eine Vorlage von William Shakespeare zurückgegriffen; das Szenarium nach dessen Drama hatte er selbst entworfen, die Ausarbeitung dann aber seinem Librettisten Francesco Maria Piave übertragen. "Wenige Worte, wenige, aber bezeichnende Worte!", forderte der Komponist immer wieder ein. Eine raue, hohle und teuflische Stimme soll Verdi von der Sängerin der Lady Macbeth gefordert haben, was in nachfolgenden Zeiten immer wieder verallgemeinernd kurz gefasst wurde, er habe sich eine hässliche Stimme gewünscht. Dem Komponisten ist es aber viel mehr um die Ausdrucksmöglichkeiten der Sängerin gegangen, in einer Zeit, als der reine Belcanto-Gesang à la Bellini und Donizetti noch immer die Bühnen beherrschte.
In der Wiener Staatsoper wurde Verdis Macbeth seit der Wiedereröffnung des Hauses nur zweimal neuproduziert: 1970 in einer Regie von Otto Schenk und mit Karl Böhm am Pult des Orchesters sowie 1982 in einer Inszenierung von Peter Wood, dirigiert von Giuseppe Sinopoli. Die von Ö1 live übertragene Neuproduktion in dieser Spielzeit - Inszenierung: Vera Nemirova, musikalische Leitung: Guillermo Garcia Calvo (statt Daniele Gatti) - ist somit erst die dritte Macbeth-Premiere seit 1955.
Mehr dazu in oe1.ORF.at
Porträt Vera Nemirova
Verdis "Macbeth" in der Wiener Staatsoper
Hör-Tipp
Macbeth, Montag, 7. Dezember 2009, 19:00 Uhr
Link
Wiener Staatsoper
