Musik-Download im Internet

Die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien eröffnete ihre Musikwirtschaftsdialoge mit dem Thema "Flatrate". Dieses Modell einer Pauschale für den Download von Musik, Literatur und Film wirft jedoch viele Fragen auf.

Wie kommen die Musikschaffenden bei Downloads zu ihrem Geld? Die Idee ist, dass man eine Gebühr auf die Internetnutzung einhebt. Jede und jeder, der einen Internetanschluss hat, und das kann man ja leicht mit einer sogenannten IP-Adresse identifizieren, soll eine Abgabe im Monat von 5 bis 10 Euro oder Dollar zahlen und hat dann die Möglichkeit, über alle Inhalte, die über das Internet transportiert werden, zuzugreifen, ohne dass man hier zusätzlich noch dafür zahlen muss.

Flatrate - pro und kontra

Die "TAZ" schreibt: Zahnpasta kann nicht zurück in Tube. Wie kann dann Vergütung für Kultur im Internet funktionieren? Das Modell einer Pauschale für den Download von Musik, Literatur und Film wirft viele Fragen auf.

Peter Tschmuck, Fachmann und Lehrender am IKM, dem Institut für Kulturelles Management, sagt: "Es gibt zwei Denkschulen. Die eine ist sicherlich vertreten bei den Content-Anbietern und -Anbieterinnen, also in der Musikindustrie, in der Filmindustrie, im Verlagsbereich. Sie alle argumentieren zu Recht so: Wir investieren sehr viel Geld, um Entertainment-Produkte herzustellen, anzubieten und zu vertreiben, und es kann doch nicht so sein, dass sich die Konsumenten und Konsumentinnen einfach alles gratis über das Internet besorgen. Die Musikindustrie fordert dann strengere Gesetze, verklagt Musiktauschbörsen und bringt die Betreiber vor Gericht, und auch die individuellen Nutzer und Nutzerinnen."

"Und jetzt gibt es die entgegengesetzte Denkschule", so Tschmuck weiter. "Diese sagt, finden wir uns damit ab, dass Content verfügbar ist, in unserem Fall konkret Musik verfügbar ist und sorgen wir dafür, dass der Musikschaffende trotzdem noch zu einem Einkommen kommt. Und das Internet bietet eine hervorragende Möglichkeit bei entsprechender technischer Umsetzung, hier wirklich nutzergerecht das Geld zu verteilen."

Helga Trüpel, Vizepräsidentin im Komitee für Kultur und Medien im Europäischen Parlament, meint, dass die Flatrate nicht funktioniert, aber die Alternative auch nicht, es muss also eine dritte Lösung gefunden werden.

Wen geht das was an?

Der Ausgangspunkt des Konzepts einer Veranstaltungsreihe namens "Musikwirtschaftsdialoge" ist: Wie kann man die Studierenden für Musik und darstellende Kunst erreichen - anders als über die Lehrveranstaltungen - und wie kann man auch aktuelle Forschungsleistungen, die an der Universität passieren, auch nach außen hin sichtbar machen?

Letztendlich gehen die Themen aus der Musikwirtschaft aber alle Leute an, die in irgendeiner Form im Musikschaffen involviert sind - ob sie jetzt produzieren, ob sie Musik distribuieren, ob sie in der Musikvermittlung tätig sind.

Prognosen für die Musikwertschöpfung

Was ist die Prognose für die Musiklandschaft, für die Musikwirtschaft? Ist es ein Katastrophenszenario? Peter Tschmuck ist sich sicher: Es ist definitiv so, dass sich die Musiklandschaft gewaltig verändert in der gegenwärtigen Situation. Es zeigt sich, dass man mit dem klassischen Geschäftsmodell, und das ist immer noch jenes des Tonträgers, einfach kein Geld mehr verdienen kann. Das heißt also, das zentrale Mittel der Kommerzialisierung fällt allmählich weg.

"Aber, und ich möchte da kein Katastrophenszenario zeichnen", so Tschmuck, "es ergeben sich viele neue Geschäftsmöglichkeiten. Was sich jetzt zum Beispiel immer stärker etabliert ist der Live-Bereich. Das heißt also, im Veranstaltungsbereich kann man mittlerweile mehr Geld verdienen als mit Tonträgern, allerdings ist auch die Konkurrenzsituation wesentlich härter geworden. Früher war es nicht üblich, dass man so viele internationale Stars in Wien erlebt. Das ist natürlich für die lokale Szene ein gewisser Druck, vielleicht aber auch ein guter Druck, um sich auch entsprechend international zu vergleichen. Es wird sicherlich auch neue Geschäftsmodelle geben im Bezug auf die Vermarktung von Musik."

"Was die Tendenz ist, und das mag Musikschaffende vielleicht ein bisschen verdrießen, ist, dass man mit Musik selbst, als – ich sag's jetzt mal sehr betriebswirtschaftlich – Produkt, nicht unbedingt mehr Geld verdienen kann", meint Tschmuck. "Man muss also Musik einsetzen als Instrument, um etwas anderes zu verkaufen.

Hörtipp
Apropos Musik - das Magazin, Freitag 5. Februar 2010, 10:05 Uhr

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Musikwirtschaftsforschung

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