Klassischer indischer Musiker
Ravi Shankar ist 90
Ravi Shankar, der indische Sitar-Spieler, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Shankar hat die klassische indische Musik im Westen bekannt gemacht. Er spielte 1969 beim Woodstock-Festival, trat mit dem Geiger Yehudi Menuhin auf und inspirierte Musiker wie Philip Glass.
8. April 2017, 21:58
Frühjournal 07.04.2010
Indiens Mozart - so hat ihn der Geiger Yehudi Menuhin einmal genannt. Mit seiner indischen Langhalslaute hat Ravi Shankar die klassische indische Musik seit den 1950er Jahren in der ganzen Welt bekannt gemacht. Und obwohl er beim Woodstock-Festival als Verkörperung östlicher Mystik unfreiwillig zum Hippieguru aufstieg, obwohl er die Beatles inspirierte und John Coltrane von ihm lernte, ist er seiner Musik immer treu geblieben:
Ich hab mich nicht dem Rock verkauft, sagt Ravi Shankar. Und vom Mischen und Zusammenschmelzen verschiedener Musikstile hält er gar nichts: "Das ist etwas, das ich nie getan habe und tun wollte. Mich interessierte immer der neue Klang und den wollte ich auch mit nicht-indischen Musikern ausprobieren. Ich experimentiere gern, aber die Basis meiner Kompositionen war immer indisch. Egal ob im Klassischen, im Zeitgenössischen oder in der Volksmusik."
Zweiter Vater Khan
1920 wurde Ravi Shankar in der heiligen Hindu-Stadt Varanasi geboren. Schon als 10-Jähriger tourte er als Tänzer mit seinem Bruder durch Europa und die USA. Mit 18 lernte er den Multiinstrumentalisten und strengen Meister Allauddin Kahn kennen und wurde dessen Schüler.
"Da bekam ich zum ersten Mal einen Eindruck davon, was indische Musik ist, wie tief klassische Musik sein kann. Ich war komplett überwältigt. Khan unterrichtete mich und liebte mich wie einen Sohn. Für mich war er wie ein Vater", erzählt Shankar.
Zu Ehren Mahatma Gandhis
Wenige Tage, nachdem der Mord an Mahatma Gandhi die Welt erschütterte, war Ravi Shankar Gast in einer indischen Radiosendung. Man bat ihn, etwas zu Ehren Mahatma Gandhis zu spielen. So improvisierte Ravi Shankar die Raga "Mohan kauns". Ein Stück, das mit geisterhaften Basstönen beginnt und kraftvoll endet – Symbol für den Triumph Gandhis. 33 Jahre später schrieb Ravi Sahnkar die Musik zur Gandhi-Filmbiografie, wofür er 1982 für den Oskar nominiert wurde.
Musikalische Töchter
Ravi Shankar ist der Vater von Norah Jones, die mit ihrem Debütalbum "Come away with me" 2003 mit 8 Grammys ausgezeichnet wurde. Auch wenn sich ihre Musik deutlich von der seinen unterscheidet und sich eher im sanften jazzigen Pop bewegt, schätzt Ravi Shankar das Talent seiner Tochter. Ravi Shankar selbst hat 3 Grammys gewonnen, zuletzt 2002 in der Kategorie Welt Musik für "Full Circle at Carnegie Hall".
Norah Jones' jüngere Halbschwester Anoushka Shankar ist in die Fußstapfen des Vaters getreten und hat bei ihm das traditionelle indische Sitar-Spiel gelernt. Auch sie engagiert sich, die klassische indische Musik zu bereichern und sie im Kern zu erhalten. Nachwuchspflege wird im Ravi Shankar Zentrum in Neu Delih betrieben – und das ist wichtig, denn die boomende indische Musikindustrie lässt das Klassikgenre zunehmend links liegen.
"Ich kann zwar nicht mehr so schnell laufen, wie früher, aber musikalisch bin ich besser als je zuvor", schreibt Ravi Shankar anlässlich seines 90. Geburtstages auf seiner Homepage. Und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Textfassung: Ruth Halle
