Mikrokredite boomen

Mikrokredite sind gefragt wie nie zuvor: bei Menschen in Armut, die mit einem Minikredit eine Chance zur Selbsthilfe bekommen und bei Anlegern, die mit ihrem Geld eine soziale Leistung unterstützen. Das zeigt die Bilanz von Oikocredit Austria, einer Kreditgenossenschaft, die mit Mikrokrediten Armut bekämpft.

Morgenjournal, 24.4.2010

Anleger haben umgedacht

Mikrokredite sind Mini-Darlehen in der Höhe von durchschnittlich 50 bis 1.500 Dollar, mit denen Menschen in Entwicklungsländern eine Chance bekommen, ihre Lebenssituation zu verbessern: sie können Saatgut oder Vieh kaufen oder ein Kleinunternehmen gründen. Für die Idee der Mikrokredite hat der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus aus Bangladesh 2007 den Friedensnobelpreis bekommen. Seither boomt die Nachfrage, berichtet Peter Püspök, Vorstandsvorsitzender von Oikocredit Austria.

Die Wirtschaftskrise hat bei vielen Anlegern ein Umdenken bewirkt, sagt Püspök, der früher Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich Wien war. Sie wollen wissen, dass mit ihrem Geld Positives geschieht. Und diese Sicherheit kann die Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit ihren Anlegern geben.

Plus von 27 Prozent

Im Krisenjahr 2009 hat Oikocredit International knapp 400 Millionen Euro an Kredite in Lateinamerika, Asien, Afrika und Osteuropa vergeben, um 27 Prozent mehr als noch im Jahr davor. Allein in Österreich ist die Zahl der Anleger fast um die Hälfte gestiegen, das veranlagte Geld hat sogar um 66 Prozent zugenommen: mehr als 15 Millionen Euro sind in Mikrokrediten veranlagt - auch wenn die Rendite seit Jahren mit zwei Prozent sehr bescheiden ist.

Der große Erfolg der Mikrokredite hat aber auch Schattenseiten, sagt Ben Simmens, der bei Oikocredit die sozialen Standards überwacht. Man sieht in Staaten wie Indien, Nicaragua oder Bosnien nehmen Leute mehr Darlehen als sie zurückzahlen können. Das soll mit Kunden-Schutzprogrammen verhindert werden. Bei Oikocredit liegen die Kreditausfälle übrigens bei unter einem Prozent.

Service

Oikocredit