Hungrig in den Kindergarten
Aktionstage politische Bildung
95.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren sind in Österreich arm. Ihre Eltern sind meist zugewandert, erwerbslos, alleinerziehend oder haben Jobs, von denen sie nicht leben können.
27. April 2017, 15:40
Bei den diesjährigen Aktionstagen politische Bildung diskutieren Lehrer mit den Schülern das Thema "Armut und soziale Ausgrenzung". Fast 400.000 Menschen leben in Österreich in Armutshaushalten. Ein Viertel sind Kinder und Jugendliche.
Die finanzielle Situation in diesen Haushalten wirkt sich auf den Alltag und die Zukunft der Kinder aus. Von frühester Kindheit an erleben die Kinder die wirtschaftliche Armut mit, sagt Judith Marte-Huainigg von der Abteilung Sozialpolitik der Caritas Österreich.
"Wenn die Kinder noch sehr klein sind, dann erleben sie die materielle Armut nicht, aber, was sie sehr klar und deutlich mitbekommen, ist der unglaubliche Stress der Eltern. Der Stress, sich um die existentielle Absicherung der Familie zu kümmern, wenn es um Mietzahlungen geht, wenn es um Schulden geht, wenn es um Arbeitslosigkeit und Arbeitssuche geht."
Soziale Abgrenzungen
Statistiken zeigen, dass nur etwas mehr als die Hälfte der Kinder aus armutsgefährdeten Familien zwischen vier und sechs Jahren in den Kindergarten gehen. Schon ab diesem Alter spüren Kinder die soziale Ausgrenzung.
Zum Beispiel, wenn es zum Geburtstagsfeiern geht, die sich Kinder wünschen, die sich die Eltern aber nicht leisten können. "Sei es weil es den Eltern unangenehm ist, weil die Wohnsituation so prekär ist. Sei es weil die Eltern ganz einfach nicht das Geld hätten, um die Kinder zu bewirten", sagt Judith Marte-Huainigg.
Kinder in Armutshaushalten bekommen abgetragene Kleidung und am Monatsende ist oft nicht mehr genug Geld vorhanden, um Essen kaufen zu können. Die Kinder bekommen zwar nicht zu wenig zu essen, sagt Judith Marte-Huainigg, aber sie bekommen viel Ungesundes wie Süßigkeiten. "Denn Süßigkeiten sind billig und sie machen den Kindern eine große Freude. Und Eltern wollen ihren Kindern Freude bereiten, was, wenn es um die gesundheitliche Entwicklung geht, kontraproduktiv ist."
Helfen nicht wegschauen
Auch die Wohnsituation in Armutshaushalten ist meistens beengt. Die Kinder haben keinen Rückzugsraum und können sich bei Lernen schwer konzentrieren.
Nicht nur die eigenen Kinder sollen es besser haben, sondern auch die Kinder der Nachbarn appelliert Judith Marte-Huainigg von der Caritas und meine damit: nicht wegschauen, sondern helfen.
