Prix Ars Electronica

Ein sogenannter Eye-Writer, der einem an ALS leidenden Graffiti-Künstler seine Arbeit ermöglicht, das "schwärzeste Schwarz aller Zeiten" und ein Wuzel-Tisch mit eingebautem Gegner zählen zu den Preisträgern des diesjährigen Prix Ars Electronica.

Der 1987 initiierte Prix Ars Electronica kürt jedes Jahr die besten Arbeiten aus dem Bereich der zeitgenössischen Medienkunst. Heuer wurden 3.083 Projekte aus 70 Ländern eingereicht. Dreieinhalb Tage brauchten die 34 Jurymitglieder, um alle Arbeiten zu sichten und zu bewerten. Insgesamt 117.500 Euro an Preisgeldern werden in sieben Sparten vergeben.

(Schwarz)-Weiße Nacht

In der Kategorie Computeranimation bekommt heuer ein kanadischer Kurzfilm mit dem Titel "Nuit Blanche", der zur Gänze auf einem herkömmlichen PC entstanden ist, die Goldene Nica. Blockbuster wie "Avatar" oder "Oben" mussten sich mit lobenden Erwähnungen begnügen.

Bisher habe ein einzelner Künstler in seinem Atelier kaum etwas gegen große Filmfirmen ausrichten können, erklärte Christine Schöpf bei der am 17. Mai 2010 stattfindenden Pressekonferenz. "Das ist definitiv nicht mehr so."

Wuzelgegner aus dem Computer

Besonders viele Einreichungen gibt es traditionell beim Jugendbewerb "u19 - freestyle computing". Heuer wurde hier ein Wuzeltisch mit automatisierter Gegenmannschaft prämiert. Entwickelt haben ihn zwei HTL-Schüler aus Graz.

Das digitale Werkzeug sei für die Jugend von heute so selbstverständlich, "wie es für uns die Sandkiste war", betonte Gerfried Stocker, Leiter des AEC. Als Beispiel nannte er einen Achtjährigen, der seine erste Flash-Animation einreichte und eine Auszeichnung für Unter-Zehnjährige bekam.

Das schwärzeste Schwarz

Relativ neu ist die Kategorie "the next idea" in Kooperation mit dem Ars-Electronica-Hauptsponsor voestalpine. Im Gegensatz zu den übrigen Bewerben werden hier nicht fertige Projekte, sondern Ideen prämiert. Heuer geht der Preis an "Hostage" des Belgiers Frederic De Wilde. Er schafft aus Kohlenstoffröhrchen mit extrem verästelter Oberfläche "das schwärzeste Schwarz der Welt". In der Technologie liege auch energetisches Potenzial, sieht Stocker den Preis daher auch als "eine Art Stipendium".

Folgewirkungen neuer Technologien

Die Goldene Nica bei den "Digital Communities" bekommt der Chaos Computer Club, der sich seit Jahrzehnten mit den gesellschaftlichen Folgewirkungen neuer Technologien befasst. "Dass Google genau jetzt aufgeflogen ist, wo wir dieses Projekt auszeichnen, ist eine traurige Koinzidenz", findet Stocker angesichts des Eingeständnisses des Internet-Giganten, Daten aus öffentlichen W-Lan-Netzen gesammelt zu haben.

Eine Auszeichnung in der Kategorie geht auch an "the ubiquitous - unibrennt cloud": Hier bauten Studierende im Rahmen der jüngsten Uni-Proteste eine autonome Infrastruktur zur Kommunikation auf.

Das Ohr am Arm

Die Goldene Nica in der Kategorie "Digital Music & Sound Art" geht an den Japaner Ryoichi Kurokawa mit seiner audiovisuellen Installation "rheo: 5 horizons".

Bei "Hybrid Art" wurde der Australier Stelarc für sein Projekt "Ear on Arm" - ein in den Unterarm eingepflanztes Ohr als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine - ausgezeichnet.

Bilder per Augenbewegung

In der Sparte "Interactive Art" wurde ein Eye-Tracking-System prämiert. Es ermöglicht einem an ALS leidenden Graffiti-Künstler, per Augenbewegung seine Bilder zu entwerfen und überträgt sie über W-Lan an Projektoren, die die Bilder beispielsweise auf Wänden sichtbar machen.

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