Karl: Gemeinsame Schule für Zehn- bis 14-Jährige

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) lässt in der Schuldebatte mit einem neuen Vorschlag aufhorchen. Sie fordert erstmals in ihrer Partei eine wirkliche gemeinsame Schule für alle Zehn- bis 14-Jährigen unter dem Titel "Gymnasium für alle".

Morgenjournal, 20.05.2010

Neue Stimmen aus der ÖVP

Die Position der Volkspartei in der österreichischen Bildungspolitik kann man bisher -um Neutralität bemüht- wahrscheinlich am besten mit dem Adjektiv "bewahrend" beschreiben. Worunter in der ÖVP selbst viele das Erhalten eines bewährten Systems aus Hauptschulen und Gymnasien sehen - Kritiker dagegen das Blockieren jeder wirkungsvollen Reform. Schließlich schneidet Österreichs Schulsystem in internationalen Vergleichen stets als besonders teuer, aber nicht als besonders gut ab. Und so waren es in der Regierung vor allem die Sozialdemokraten, die Reformideen wie die der neuen Mittelschule voranbrachten. Nun melden sich aber auch in der Volkspartei die Reformwilligen zu Wort.

Spindelegger macht den Anfang

Am vergangenen Montag war zum ersten Mal die Rede von einer Wende in der ÖVP-Bildungspolitik: Der Chef des ÖVP-Arbeitnehmerbundes, Außenminister Michael Spindelegger, hat ein neues ÖAAB-Konzept vorgelegt, das schon monatelang angekündigt war. Wobei allerdings bei näherem Hinsehen die Reformideen nicht besonders radikal waren. Vor allem nicht bei dem in der Öffentlichkeit am meisten umstrittenen Punkt: der Trennung in Hauptschulen, Neue Mittelschule und Gymnasien - also den unterschiedlichen Bildungs- und Berufschancen, die in Österreich schon für Kinder im Alter von neun oder zehn Jahren entschieden werden.

Karl für ÖVP-Bildungskonzept zuständig

Spindelegger sprach sich zwar für eine durchlässigere Gestaltung dieses Systems aus, und brachte das Schlagwort einer Aufstiegsschule ins Spiel - aber er bezeichnete eine gemeinsame Schule der zehn bis vierzehnjährigen als falsch. Die aber gilt vielen als Kern einer Schulreform - dem Koalitionspartner SPÖ ebenso wie Bildungsfachleuten und seit neuestem auch Teilen der Volkspartei.

Eine zentrale Rolle spielt dabei Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Sie ist verantwortlich für das Erstellen eines neuen Bildungskonzepts der ÖVP. Dieses Papier soll bis zum Herbst fertig werden. Dann soll die Wissenschaftsministerin über Schulreformen verhandeln, ihr Gegenüber ist Unterrichtsministerin Claudia Schmied von den Sozialdemokraten. In der jahrelangen Auseinandersetzung um die von Schmied vertretene Neue Mittelschule gehörte Beatrix Karl zu den wenigen in ihrer Partei, die die Idee nicht von vorneherein abgelehnt haben.

Erstmals Vorstoß für gemeinsame Schule

Wissenschaftsministerin Karl lässt jetzt in der Schuldebatte mit einem neuen Vorschlag aufhorchen. Sie fordert erstmals in ihrer Partei eine wirkliche gemeinsame Schule für alle 10 bis 14jährigen, unter dem Titel "Gymnasium für alle". Nach der Volksschule sollen alle Kinder denselben Schultyp besuchen - erst nach der vierten Klasse soll entschieden werden, ob weiter das Gymnasium oder eine andere Schule besucht wird, sagte Karl im Ö1 Morgenjournal-Interview.

Morgenjournal, 20.05.2010

Interview mit Ministerin Karl