Der Erdaufgang, aufgenommen durch das Fenster des Orion-Raumschiffs um 18:41 Uhr (EDT) am 6. April 2026 während des Vorbeiflugs der Artemis-II-Besatzung am Mond.

NASA

Punkt eins

Die Zukunft des Weltalls

Welche Risiken die neue Phase der Weltraumerkundung und -eroberung birgt.
Gast: Ass.-Prof. Dr. Nina Klimburg-Witjes, Technikforscherin, Sozialwissenschaftlerin, Uni Wien, Leiterin des Projektes Futurespace (European Research Council). Moderation: Andreas Obrecht. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

In der Nacht von Freitag auf Samstag - mitteleuropäischer Zeit - wird vor der Küste Floridas die Rückkehr der vierköpfigen Artemis 2-Crew erwartet. Nie zuvor waren Menschen weiter von der Erde entfernt - ein sinnfälliger Auftakt zu einer neuen Phase der Weltraumerkundung und -eroberung, die eigentlich schon längst begonnen hat und in der unterschiedliche Interessen miteinander konkurrieren.

Beim neuen Wettlauf zum Mond geht es nicht nur um Forschung, sondern auch um die Etablierung einer permanenten Mondstation, um mögliche Ressourcennutzung, um eine gute Ausgangslage für eine bemannte Marsexpedition, auch um militärische Dominanz. Der Weltraum ist immer weniger ein Ort wissenschaftlicher Forschung, er wird zusehends als entscheidender Raum für nationale sicherheitspolitische und ökonomische Interessen gesehen - mit massiven Auswirkungen auf die geopolitischen und -strategischen Machtverhältnisse. Einerseits ist unser Alltagsleben von technischen Weltrauminfrastrukturen stark abhängig geworden, andererseits verlagert die Militarisierung des Weltraums terrestrische Konflikte ins All, mit unabsehbaren Konsequenzen.

Neben den rivalisierenden großen Weltraumnationen - USA, China, Russland - verfolgen auch andere Länder ambitionierte Weltraumprogramme, darunter etwa Indien, Saudi-Arabien oder Südkorea. Die Europäische Raumfahrtagentur - European Space Agency (ESA) - ist bei der Artemis-Mission dabei, auch bei der Planung einer künftigen permanenten Mondstation.

Die vielen Aktivitäten führen dazu, dass es in der erdnahen Umlaufbahn immer enger wird. Allein im letzten Jahr sind 324 Trägerraketenstarts durchgeführt worden - so viele wie nie zuvor. Rund 10.000 funktionstüchtige Satelliten kreisen um die Erde, sie kommen aus mittlerweile 80 Nationen, tausende weitere Satelliten sind mittlerweile außer Betrieb gestellt. Auf rund 14.000 Tonnen wird der Weltraumschrott geschätzt, der die Gefahr von Kollisionen verschärft.

Verbindliche rechtliche Regeln, wie sich die Menschheit im Weltall organisieren soll, gibt es kaum. Nach wie vor gültig, aber veraltet und deshalb teilweise anachronistisch ist der von den Vereinten Nationen am 27. Jänner 1967 verabschiedete Weltraumvertrag, der bis heute von 117 Staaten ratifiziert wurde. Das Ziel des Vertrages ist die Verhinderung der Okkupation von Himmelskörpern durch einzelne Staaten, die friedliche Nutzung des Weltraums für alle und die Kontrolle von Waffen - insbesondere auch Atomwaffen - im All. Entgegen den Intentionen dieses Vertrages geht der astropolitische Trend in eine andere Richtung: Nationale sicherheitspolitische und wirtschaftliche Interessen spielen in den Programmen eine immer größere Rolle.

Welche Voraussetzungen müssten geschaffen werden, um eine friedliche Nutzung des Weltraums zu ermöglichen und auch zu garantieren? Mit welchen Strategien, Konzepten und Visionen blickt die europäische Weltraumfahrt in die Zukunft? Relativiert sie aufgrund der geopolitischen und transatlantischen Spannungen ihre zivilen Ziele - Resilienz, Souveränität und Sicherheit? Was folgert aus der Diskrepanz zwischen nationalen Interessen und kollektiven Zielen, zwischen Kooperation und Wettbewerb für die europäische Astropolitik? Welchen Stellenwert hat das Ariane 6-Raketenprogramm in globaler Perspektive? Fördert das europäische Engagement in der Weltraumfahrt die politische Integration der europäischen Nationalstaaten?

Diesen und weiteren Fragen geht das Forschungsprojekt "Futurespace" nach, das von der Technikforscherin und Sozialwissenschaftlerin Nina Klimburg-Witjes, Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Wien, geleitet und vom European Research Council finanziert wird. Welche Risiken, aber auch Chancen die neue Phase der Weltraumerkundung und -eroberung birgt - darüber diskutiert die Projektleiterin Nina Klimburg-Witjes mit den Hörerinnen und Hörern von Punkt eins und mit Moderator Andreas Obrecht.

Wie immer freut sich die Redaktion über Ihre Teilnahme an dem Gespräch unter 0800 22 69 79 während der Sendung oder unter punkteins(at)orf.at

Sendereihe

Gestaltung

  • Andreas Obrecht