Andreas Okopenko gestorben

Der österreichische Dichter Andreas Okopenko ist am Sonntag, wenige Monate nach seinem 80. Geburtstag, in einem Wiener Krankenhaus gestorben. Das gab der Leiter des Literarischen Quartiers Alte Schmiede, Kurt Neumann, gegenüber der APA bekannt.

Nachruf Andreas Okopenko

Andreas Okopenko, der am 15.3.1930 in Kosice (Slowakei) als Sohn eines ukrainischen Arztes und einer Österreicherin geboren wurde, war ein scheuer und stiller Vertreter der literarischen Avantgarde und schrieb 1970 mit seinem "Lexikon-Roman" Literaturgeschichte. Als eine der ersten Vorwegnahmen von Netzliteratur und Hypertext wird hier der Leser dazu aufgefordert, sich einen individuellen Roman zu basteln. Okopenko wurde mit dem Großen Österreichischen Staatspreis 1998 ausgezeichnet, 2002 mit dem Georg-Trakl-Preis für Lyrik. Im April hatte das Wiener Literaturhaus eine große Feier zu seinem Geburtstag ausgerichtet.

Andreas Okopenko hat schon in frühen Jahren mit fast naturwissenschaftlich-genauen Gedichten für Aufsehen gesorgt. "Andreas Okopenko ist einer unserer bedeutendsten Dichter, und die Stille um ihn ist gleichzeitig seine Gloriole." Mit diesen Worten hat Friederike Mayröcker einmal den Stellenwert des Autors innerhalb der österreichischen Literatur benannt.

Aufbruch aus den trüben 1950er Jahre

In jungen Jahren ist Okopenko ein engagierter Zeitgenosse, der im trüben Kulturklima der 1950er Jahre etwas bewegen will. Zusammen mit H. C. Artmann begründet er die literarische Sektion im Art-Club. 1951 bringt er die Anthologie "publikationen einer wiener gruppe junger autoren" heraus, in der sich Beiträge von H. C. Artmann, Jeannie Ebner, Gerhard Fritsch und Friederike Mayröcker finden.

Dass er auch ausgesprochen witzig sein kann, beweist Okopenko mit seinen "Lockergedichten" und für die allererste Austro-Pop-Band überhaupt, The Worried Men Skiffle Group, hat Okopenko Songs geschrieben, unter anderem den Hit "Glaubst i bin bled".

Klassiker "Lexikon-Roman"

Sein Hauptwerk legt der vielseitige Dichter 1970 vor: Der "Lexikon-Roman" gilt als österreichischer Avantgardeklassiker. Mit Büchern wie "Meteoriten" und "Kindernazi" setzt er sein avanciertes Schreibverfahren auf einer politisch-biografischen Ebene um.

"Keiner weiß so recht, woran Okopenko gerade arbeitet. Er hält sich diesbezüglich wie selten einer bedeckt", hat der Autor Otto Breicha einmal über den "leisen Andreas Okopenko" "stoßgeseufzt".

Service

Anlässlich des Todes von Andreas Okopenko ändert Ö1 sein Programm

Tonspuren, Montag 28.Juni, "In Wahrheit ist es so. Portrait des österreichischen Schriftstellers Andreas Okopenko", von Gerhard Moser und Robert Weichinger

Nachtbilder, Freitag 2. Juli, "Streichelchaos. Spontangedichte von Andreas Okopenko", Gestaltung: Nikolaus Scholz