Wasserfloh und Wellenklänge

Lunz am See wirkt auf den ersten Blick auf sympathische Weise wohltuend verschlafen. Aber der Schein trügt. In Wahrheit hat Lunz rund um den See nicht nur unzerstörte Natur zu bieten. Auch kulturell tut sich allerhand Bemerkenswertes.

Lunz ist schön. Punkt. Einfach schön. Und: herrlich unaufgeregt. Lunz ist unaufgeregt schön. Und schön unaufgeregt. Auf sympathische Weise wirkt die kleine Mostviertler Marktgemeinde an der niederösterreichischen Eisenstraße wohltuend verschlafen.

Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn in Wahrheit hat Lunz rund um den See nicht nur unzerstörte Naturidylle zu bieten. Auch kulturell tut sich im Marktflecken allerhand Bemerkenswertes. Das interuniversitäre Zentrum "Wasser Cluster" und das mitreißende Kultur-Festival "Wellenklänge" sind nur zwei beeindruckende Beweise dafür.

Limnologische Forschung seit 1905

Der Wasser Cluster in Lunz ist ein interuniversitäres Zentrum mehrerer Universitäten. Es widmet sich der limnologischen Forschung. Limnologen untersuchen die Ökologie der Binnengewässer, und in Lunz konzentriert man sich dabei ganz besonders auf die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Mensch und Wasser.

Der Wasser Cluster an der Dr.-Carl-Kupelwieser-Promenade steht ganz in der Tradition der Biologischen Station Lunz. Die war immerhin das zweitälteste limnologische Institut der Welt. 1905 hatte sie eben jener Carl Kupelwieser gegründet, nach dem die Promenade benannt ist, und seit damals ist die wasser-wissenschaftliche Tradition in der kleinen Marktgemeinde Lunz nie mehr abgerissen.

Carl Kupelwieser war ein Sohn von Leopold Kupelwieser, dem berühmten Porträt- und Landschaftsmaler aus dem Umkreis von Franz Schubert. So nebenbei war der Stifter der Biologischen Station Lunz auch noch der Onkel von Ludwig Wittgenstein.

Hans Kupelwieser wiederum, einer der bekanntesten modernen Plastiker Österreichs und Leiter des Instituts für Zeitgenössische Kunst an der TU Graz, ist ein Enkel von Carl.

"Der Wasser Cluster bringt Studenten und Forscher aus aller Welt nach Lunz", betont Hans Kupelwieser. Er selbst hat bereits mehrfach mit seinen Kunststudenten avancierte Projekte in Lunz realisiert.

Preisgekrönte Seebühne

Dass sich Kunst und Natur in idealer Weise mit praktischem Nutzen und Vergnügen verbinden lassen, das hat Hans Kupelwieser mit seiner Lunzer Seebühne bewiesen. Er hat sie als multifunktionales Kunstobjekt konzipiert, das bewusst innerhalb des Strandbades errichtet wurde. Der See ist an dieser Stelle 20 Meter tief, und Badegästen wie Konzertbesuchern bietet sich ein herrlicher Blick auf die teils waldigen, teils felsigen Ufer gegenüber.

Intendantin Suzie Heger

Wenn die Bühne mit Musikern über den See gleitet und die Klänge von Klassik, Jazz oder Avantgarde-Stücken übers Wasser ziehen, wenn dann der Scheiblingstein, der Hetzkogel und der Seekopf rot leuchten von der Abendsonne, oder wenn vielleicht der Mond die ganze Szenerie bescheint, dann wird ein Konzertbesuch am Lunzer See nicht selten zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle Sinne. Niemand weiß das besser als Suzie Heger, die Intendantin des Festivals, das jedes Jahr im Juli stattfindet.

Suzie Heger hat ihr kleines, feines Festival "Wellenklänge" benannt. Es hat sich bewusst dem Kammermusikalischen, den feinen Tönen und dem aufregend Neuen in der Kunst verschrieben. Erfrischend sollten die Wellenklänge sein, stürmisch, mitreißend und – grenzüberschreitend. Dass Suzie Hegers Projekt mehr als gelungen ist, das bestätigt auch Martin Ploderer, der Bürgermeister von Lunz. "Unsere Schuhplattler tanzen mit Top-Choreographen und werden dabei von Jazzgruppen begleitet. Volksmusikanten spielen mit Beatboxern. Jodelgruppen werden von klassischen Geigern begleitet. Das sind tolle Kombinationen."

Suzie Heger wiederum betont, dass die Neugier durch alle Bevölkerungsschichten geht: "Bei den Wellenklängen sitzen die Bauern neben den Akademikern, und die Professorinnen neben Kindern und Jugendlichen. Ich wollte den Kunstgenuss niemals elitär haben. Das Bildungsbürgertum, das immer unter sich bleibt – das finde ich doch zu eingeschränkt."

In den vergangenen Jahren haben die Wellenklänge eine beeindruckende Fülle spannender Musiker auf die Lunzer Seebühne gebracht. Unter ihnen Tristan Schulze und Wolfgang Puschnig, das Blechbläserquintett der Münchner Philharmoniker und Erika Stucky, das Christian Muthspiel Trio – um nur einige zu nennen. Aber auch die Amstettener Musikanten oder die Kothbergtaler Schuhplattler. Aufregend waren die Konzerte immer. Intensiv. Spannend. Und – intim.

Service

"Wellengischt und Wolgastrand", Festival Wellenklänge, 2. bis 24. Juli 2010, Seebühne Lunz am See,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (zehn Prozent).

Wellenkänge – 2010 Wellengischt und Wolgastrand
Lunz am See
Seebühne
Wasser Cluster Lunz – Interuniversity Center for Aquatic Ecosystem Research
Wikipedia – Leopold Kupelwieser
Wikipedia – Paul Kupelwieser
Bergsteigerdörfer

Übersicht

  • Reisen