Doch keine Immobilienblase?

Sitzt China auf einer riesigen Immobilienblase, die demnächst droht zu platzen? Spekulationen darüber haben in den letzten Tagen für Unruhe auf den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Ein genauerer Blick auf die Entwicklung in China sollte die besorgten Anleger beruhigen.

Übersensible Märkte

Erst am Dienstag hat der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Harvard-Professor Kenneth Rogoff gemeint, dass der Zusammenbruch des chinesischen Immobilienmarktes bereits begonnen hat und die Banken, die noch kaum die jüngste Weltwirtschaftskrise bewältigt haben, weltweit in neue Schwierigkeiten stürzen könnte. Doch dass die Märkte dazu neigen, oft zu übertreiben, hat sich in der Vergangenheit auch allzu oft gezeigt.

"Alles nur halb so schlimm"

Christian Hunger, Taipeh, analysiert Aussagen, der Zusammenbruch des chinesischen Immobilienmarktes habe bereits begonnen.

Hunderte Milliarden in die Konjunktur gepumpt

Wenn sich ein Land damit rühmen kann, aus der jüngsten Weltwirtschaftskrise höchstens mit einem halben blauen Auge davon gekommen zu sein, dürfte es am ehesten China sein. Von Anfang an hat man nicht wie viele andere Länder gekleckert, sondern gleich geklotzt. 480 Milliarden Euro hat die von Peking zentral gelenkte Regierung hingeblättert, um die Konjunktur anzukurbeln. Das Motto: wenn die Nachfrage im Ausland nachlässt, bleibt noch immer der Inlandsmarkt mit 1,3 Milliarden Menschen, deren Konsumbedarf noch großes Aufholbedürfnis hat.

Enormer Preisauftrieb

Doch nicht nur der Konsum, auch die Infrastruktur hat von der Krise profitiert, der öffentliche Verkehr, die Straßen, der Wohnungsbau. Das ist natürlich nicht ohne Folgen geblieben. In den Wirtschaftsmetropolen Peking, Shanghai und Shenzen sind die Quadratmeterpreise für Neuwohnungen heute um fast 70 Prozent höher als vor einem Jahr. Spekulanten haben die Preise in diese astronomischen Höhen getrieben, heißt es gemeinhin.

Dämpfer für Immobilienpreise

Die Regierung hat das Problem erkannt und entsprechend gehandelt, heißt es offiziell. Käufer von Zweitwohnungen müssen etwa in Peking für eine Hypothek 50 Prozent des Kaufpreises anzahlen, für Dritt- und Viertwohnungen sind Hypotheken überhaupt verboten worden. Internationale Experten erwarten, dass die Immobilienpreise deshalb heuer wieder um ein Fünftel sinken werden.

Begrenzte Entwicklung

Dass damit aber gleich weltweit die Banken in neue Schwierigkeiten geraten, ist eher unwahrscheinlich. Erstens handelt es sich bei diesen Spekulationsobjekten um höchstens 20 Prozent der Neubauten, zweitens ist das Problem im wesentlichen nur auf die genannten Großstädte Peking, Shanghai und Shenzen begrenzt, und drittens zeigen die von der Zentralregierung getroffenen Maßnahmen bereits erste Wirkungen. Also gleich von einer Immobilienblase zu sprechen, darf bezweifelt werden.

Eigentumswohnung als Ehebedingung

Und vielleicht gibt es noch eine ganz andere, viel simplere Erklärung für die steigenden Immobilienpreise. Eine Umfrage in acht großen chinesischen Städten ist auf ein sogenanntes "Schwiegermütter-Symptom" gestoßen: Aufgrund der Ein-Kind-Politik, die zu einem eklatanten Mangel an Frauen im heiratsfähigen Alter geführt hat, verlangen 80 Prozent der Mütter von ihren künftigen Schwiegersöhnen, dass sie zumindest eine Eigentumswohnung mit in die Ehe bringen. Mit einer Mietwohnung alleine sei heute kaum noch eine Frau zu gewinnen. Und das tragt eben auch dazu bei, dass Nachfrage und Preise steigen - so die einfache Erklärung der Meinungsforscher.