Kampf gegen Frühpensionen

In einem Bericht der EU-Kommission ist davon die Rede, dass das Pensionsalter längerfristig auf 70 Jahre angehoben werden soll. Damit das tatsächliche Pensionsantrittsalter auch in Österreich steigt, sollten die heimischen Betriebe stärker in die Pflicht genommen werden, fordert das WIFO.

Morgenjournal, 8.7.2010

Land der Frühpensionisten

Nach wie vor gehen die Österreicher und Österreicherinnen deutlich früher in den Ruhestand, als es das Gesetz vorsieht. Bei den Versuchen, die Menschen länger im Erwerbsleben zu halten, wird zu wenig auf die Verantwortung der Unternehmen geachtet, sagt die Pensionsexpertin des WIFO, Christine Mayrhuber.

Mit ein Grund für das niedrige Pensionsantrittsalter in Österreich sind die krankheitsbedingten Frühpensionierungen. Doch gerade hier könnte man die Betriebe in die Pflicht nehmen. So geschieht das etwa in den Niederlanden und in Finnland, sagt Christine Mayrhuber.

Betriebe tragen die Kosten

Dort müssen Betriebe die Kosten zum Teil selbst tragen, wenn ihre Mitarbeiter krank werden und deshalb in Frühpension geschickt werden. "Die Firmen haben die Verpflichtung, etwa zwei Jahre die Pensionen ihrer krankheitsbedingt freigesetzten Mitarbeiter selbst zu zahlen. Und sie müssen auch einen höheren Krankenversicherungsbeitrag für die beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten."

Erfolge in Finnland

Mit anderen Worten: Für die Firma wird es sehr teuer, ihre Mitarbeiter in die krankheitsbedingte Frühpension zu schicken. In Finnland habe das dazu geführt hat, dass die Fälle von krankheitsbedingten Frühpensionierungen um 15 Prozent zurückgegangen sind. Auch in Österreich wären solche Anreizsysteme durchaus überlegenswert, sagt die WIFO-Expertin.