Arbeiten bis 70?

Die EU-Kommission drängt die Mitgliedstaaten zu einer Anhebung des Pensionsalters. Das geht aus einem Strategiepapier hervor, das EU-Beschäftigungskommissar Lászlo Andor heute vorstellt. Am Horizont steht Arbeiten bis zum 70.Lebensjahr.

Morgenjournal, 07.07.2010

Länger arbeiten

Die jetzige Situation sei "unhaltbar", schreiben die Kommissionsbeamten in ihrem Strategiepapier "Grünbuch für ein angemessenes, nachhaltiges und sicheres europäisches Pensionssystem", das dem ORF Radio vorliegt. Denn es kommen immer weniger Babys auf die Welt, gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Eine Europäerin wird laut Statistikbehörde Eurostat im Schnitt 81 Jahre alt, ein Europäer 75. Bis 2060 dürfte die Lebenserwartung wieder um sieben Jahre steigen, heißt es im Grünbuch. Wenn also nicht länger gearbeitet wird, können die Pensionen nicht mehr finanziert werden, so das Fazit.

Schrittweise Anhebung auf 70 Jahre

Denn bleibt man beim derzeitigen durchschnittlichen Pensionsantrittsalter von knapp 60 Jahren, kommen drei arbeitende Menschen auf einen Pensionisten, rechnet die EU-Kommission vor. Im Jahr 2030 wäre das Verhältnis 2:1 und 2060 gar 3:4. Als Perspektive entwirft die EU-Kommission in dem Papier die schrittweise Anhebung des Pensionsalters auf 70 Jahre ab dem Jahr 2060. Nur so könnte das Verhältnis stabil auf 4:2 gehalten werden, schlussfolgern die Brüsseler Beamten. "Die Wirtschaftskrise habe gezeigt, dass mehr getan werden muss, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Rentenkassen zu verbessern", heißt es im Grünbuch.

EU-Länder entscheiden selbst

Die EU-Kommission betont ausdrücklich, dass das Grünbuch nicht eine Lösung für alle Mitgliedstaaten bietet. Aber es soll Grundlage für Diskussionen mit Regierungen, Arbeitgebern und Gewerkschaften sein, wünscht sich Sozial- und Arbeitskommissar Laszlo Andor. Denn Brüssel hat keine Kompetenz, in der Pensionsfrage zu entscheiden. Jedes EU-Land bestimmt selbstständig über sein nationales Pensionssystem. Die Kommission kann daher nur Anstöße geben.
Das Grünbuch enthält einen Fragenkatalog, zu dem sich Regierungen und Sozialpartner äußern können. Die erste der vierzehn Fragen, lautet: "Wie kann die EU die Reformbemühungen der Mitgliedstaaten unterstützen?"

Unterschiedliches Antrittsalter

Unter dem Druck der leeren Kassen haben einzelne Staaten bereits mit Pensionsreformen begonnen. Großbritannien plant bis 2046 die Pension mit 68. Spanien will das Eintrittsalter auf 67 anheben. In Frankreich wird um eine Anhebung von 60 auf 62 Jahre gestritten.