Auch in Deutschland Facharbeitermangel

Auch in Deutschland wird über Zuwanderungspolitik und Facharbeitermangel diskutiert. Fachleute nach Deutschland zu holen, soll einfacher werden, das nimmt sich die Regierung jetzt vor. Einer von ihnen, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, bringt sogar finanzielle Lockprämien ins Spiel, um mehr Expertenwissen ins Land zu bekommen.

Deutschlands Bevölkerung schrumpft, zuletzt um rund 250.000 Menschen im Jahr. Und Deutschlands Industrie meldet großen Bedarf an hochqualifizierten Fachleuten. Diese Fachleute nach Deutschland zu holen, soll einfacher werden, das nehmen sich hochrangige Regierungspolitiker jetzt vor. Auch über Lockprämien wird laut nachgedacht.

Mittagsjournal, 02.08.2010

Ingenieure gehen aus

Sie sind Deutschlands Stolz, die hochtechnisierten Firmen, die die Exportwirtschaft des Landes stützen, Maschinenbau, Autotechnik, Chemie, das sind einige der Branchen, die mit ihren Produkten auch den Ruf deutscher Ingenieurskunst in die Welt hinaustragen. Immer problematischer wird dabei allerdings, dass Deutschland die Ingenieure ausgehen. Hochqualifizierte Techniker und Fachkräfte sind gefragt wie selten, Michael Schwatz vom Verein Deutscher Ingenieure sieht allerorts unbesetzte Stellen für seine Technikerkollegen.

Green Card: Zu wenige kamen

Was tun? Man könnte versuchen, im eigenen Land für mehr Nachwuchs an hochqualifiziertem Personal zu sorgen, ein Langzeitprojekt. Oder man arbeitet daran, Fachkräfte aus dem Ausland für eine Arbeitsstelle in Deutschland zu interessieren. Zuletzt wurde das vor zehn Jahren versucht, mit Einführung einer Green Card nach amerikanischem Modell, Computerexperten wollte man vor allem anziehen, rund 33.000 sind tatsächlich gekommen, es waren weit weniger als erwartet.

Brüderle für Lockprämie

Nun ist der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle auf den Plan getreten, auch er will einen Plan ausarbeiten lassen, um, mehr Fachpersonal aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, und dabei bringt er auch sogenannte Lockprämien ins Spiel, Geld, das Firmen zahlen sollen, um Einsteiger gleich vorab zu sich zu locken. Nicht aus Steuergeldern, wie der Minister betont, sondern mit Eigenmitteln der interessierten Unternehmen.

Plan umstritten

Über Sinn und Zweck solcher Prämien, bisher eher nur für Fußballstars üblich, gehen die Meinungen auch in den Regierungsfraktionen auseinender, so hält etwa CSU-Chef Horst Seehofer nicht viel davon. Einiges aber ist schon in Bewegung geraten, darauf verweist auch die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan. Nach Deutschland zu kommen, um zu arbeiten, das solle für entsprechend Qualifizierte erleichtert werden.

SPD verweist auf Arbeitslose

Weniger begeistert zeigt sich die SPD und Chef der Bundesagentur für Arbeit, die darauf verweisen, dass Deutschland immer noch mehr als drei Millionen Arbeitslose hat und mehr Anstrengungen für deren Höherqualifizierung fordern. Und dass eventuelle Prämien oder Erleichterungen beim Zuzug nicht alles sind, was qualifizierte Ausländer nach Deutschland ziehen könnte, das halten auch Medienkommentare fest, wie etwa dieser aus den Flensburger Tageblatt, wo es heißt, ich zitiere: "es bedarf eines geistigen Klimas im Lande, in dem sich Zuwanderer wohlfühlen. Weltoffenheit und Gastfreundschaft können mehr bewirken als das typisch deutsche Wedeln mit ein paar Geldscheinen", Ende des Zitats.