Strom statt Sprit

Elektromobilität gilt als eine der Hoffnungen für ein umweltfreundliches und nachhaltiges Verkehrssystem der Zukunft. Heute gibt es noch nicht viele Elektroautos auf den Straßen. Bei den Alpbacher Technologiegesprächen wurde diskutiert, wie Elektromobilität von der Vision zur Realität werden soll.

"Das Hauptproblem bei der Elektromobilität sind die Kosten der Batterien."

Franz-Xaver Söldner vom Generaldirektorat Mobilität und Verkehr der EU-Kommission über Stückzahlen und Vergleichwerte des Elektroantriebs

E-Mobilität als Randerscheinung

Fünf Millionen Elektroautos sollen im Jahr 2020 in Europa unterwegs sein - zumindest, wenn es nach den politischen Zielen der einzelnen Länder geht. Man erhofft sich, dadurch die Kohlendioxidemissionen des Verkehrs deutlich zu reduzieren und zu den Klimaschutzzielen der EU beizutragen. Zudem wären Elektrofahrzeuge leise und sauber: Lärm und Luftschadstoffe in Städten könnten deutlich reduziert werden.

Der Anteil der Elektrofahrzeuge ist derzeit noch sehr gering. Laut aktuellen Statistiken der Europäischen Union gab es im Jahr 2008 in Europa mehr als 230 Millionen Autos. Selbst wenn das Ziel der fünf Millionen Elektrofahrzeuge im Jahr 2020 erreicht wird, wären das nur zirka zwei Prozent des heutigen Bestands.

Ein drei Tonnen schwerer Akku

Bis es soweit ist, sind noch einige technische Hürden zu überwinden. Gängige Akkus können nicht genug Energie speichern, um eine zufriedenstellende Reichweite zu garantieren. Derzeit am Markt befindliche Elektroautos kommen selten weiter als 200 Kilometer, bevor der Akku leer ist.

Laut Franz-Xaver Söldner, dem stellvertretenden Referatsleiter im Referat für sauberen Verkehr, städtischen Verkehr und intelligente Verkehrssysteme im Generaldirektorat Mobilität und Verkehr der Europäischen Kommission bräuchte ein Fahrzeug drei Tonnen an Akkus, um wie ein vollbetankter Dieselwagen circa 1.000 Kilometer Reichweite zur erreichen.

Für den Alltag meist ausreichend

Doch je nach Region fahren Menschen täglich im Durchschnitt nur zwischen 30 und 50 Kilometer mit dem Auto. Die Elektrofahrzeuge, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen werden, werden zwischen 100 und 160 Kilometer Reichweite haben. Ein Großteil des täglichen Verkehrs, vor allem in den Städten, ließe sich also mit diesen Fahrzeugen abdecken. Elektroautos sind jedoch aufgrund der hohen Kosten der Akkus noch um 10.000 bis 15.000 Euro teurer als vergleichbare Autos mit Verbrennungsmotor.

Seltene Metalle

Die Batterien haben möglicherweise einen weiteren Nachteil: Sie enthalten Lithium, ein seltenes Metall, das nur an wenigen Orten der Erde vorkommt. Die größten Vorräte liegen im Norden Chiles, in Bolivien und China. Manche Wissenschaftler befürchten daher, dass man sich von diesen Ländern abhängig macht und dass uns irgendwann der Rohstoff für die Akkus ausgehen könnte.

Das ist eine Angst, die Söldner nicht teilt: Die bekannten wirtschaftlich abbaubaren Vorräte würden für die Akkus von 200 Millionen Elektroautos reichen, meint er. Da die verwendeten Lithiumionenakkus aber noch Schwächen aufweisen, glaubt Söldner, dass sie durch eine andere Technik ersetzt werden, bevor der Rohstoff knapp wird.

Netzprobleme

Wenn tausende Elektromobile gleichzeitig zum Aufladen ans Netz gehen, könnten Belastungsspitzen entstehen, für die das Stromnetz derzeit nicht ausgelegt ist. Dies könnte in Zukunft durch intelligente Stromnetze ausgeglichen werden, die Stromproduktion und -verbrauch aneinander angleichen und Spitzen vermeiden.

Gleicher Energieverbauch

Weniger Energie dürfte durch den Umstieg auf Elektroautos übrigens nicht verbraucht werden. Denn während Elektromotoren zwar effizienter als Verbrennungsmotoren sind, geht im Stromnetz deutlich mehr Energie verloren, als in der Versorgungskette für fossile Energieträger. Zählt man Energiemengen und Verluste von der Erzeugung bis zur Bewegungsenergie am Auto zusammen, steigen der fossile und der elektrische Antrieb annähernd gleich aus.

Service

Europäisches Forum Alpbach
Europäisches Forum Alpbach - Technologiegespräche
Europäische Kommission - Generaldirektorat für Mobilität und Verkehr