60 Jahre Grazer Philharmonisches Orchester
Neue Musik aus Tradition
Das Grazer Philharmonische Orchester beschäftigt sich sowohl mit Tradition als auch mit Moderne. In seiner nun 60-jährigen Geschichte bestritt es einige Ur- sowie österreichische Erstaufführungen. Am 18. September 2010 findet das Saisoneröffnungskonzert des heurigen Jubiläumsjahres statt.
8. April 2017, 21:58
Ein neues Orchester
Im Stefaniensaal, unweit des Grazer Hauptplatzes, wartet an einem Montagabend ein festlich gestimmtes und neugieriges Publikum darauf, dass Herbert Albert das Konzertpodium betritt und den Taktstock hebt.
Es ist der 4. September 1950 und das vor wenigen Tagen offiziell gegründete Grazer Philharmonische Orchester spielt sein erstes Konzert. Der deutsche Pianist und Dirigent Herbert Albert musiziert mit diesem neuen Orchester, dessen erster Generalmusikdirektor er auch wird, Beethovens 3. Symphonie und "Ein Heldenleben" von Richard Strauss.
Musik von Richard Strauss sollte auf die traditionsreiche Aufführungsgeschichte des "Städtischen Orchesters" Graz hinweisen, aus dem das Grazer Philharmonische nun durch Vereinigung mit dem "Funkorchester der Sendergruppe Alpenland" entstanden ist - hat das Städtische Orchester 1906 unter der Leitung von Richard Strauss doch seine Oper "Salome" zur österreichischen Erstaufführung gebracht. Zwölf Jahre zuvor hatte diese Interpretengemeinschaft schon die fünfte Symphonie von Anton Bruckner unter der Leitung von Franz Schalk in Graz uraufgeführt.
Aktualität als Tradition
Auch dem jetzt 60 Jahre alt gewordenen Ensemble, das im Grazer Opernhaus bei allen Sparten - von Oper bis Operette, Musical und Ballett - den instrumentalen Ton angibt, zum Beispiel im Musikverein für Steiermark und im Opernhaus Konzerte gestaltet, ist die Auseinandersetzung mit neuer und neuester Musik eine Verpflichtung.
Der derzeitige Chefdirigent und Generalmusikdirektor Johannes Fritzsch widmete sich mit seinem Orchester etwa beim letzten Musikvereinskonzert einem Werk von Georges Lentz. Das Saisoneröffnungskonzert am 18. September 2010, das auf das diesjährige Jubiläum hinweist, hat ein Werk von Gerd Kühr im Programm.
Seine Vorgänger haben Gerd Kührs Oper "Tod und Teufel" in Graz uraufgeführt, Friedrich Cerhas "Der Rattenfänger" sowie "Rashomon" von Mayako Kubo. 1981 wurde hier die durch Friedrich Cerha ergänzte Fassung von Alban Bergs "Lulu" erstmals in Österreich präsentiert. Auch beim Konzert zum 50-Jahr-Jubiläum des Orchesters im Oktober 2000 hat man durch die Uraufführung der "Hödlmoser"-Opernfragmente von Thomas Pernes und die "Erste Symphonie" von Mayako Kubo diese Tradition der Auseinandersetzung der zur Zeit entstehenden Musik fortgesetzt.
Die Beschäftigung mit Neuer Musik ist für das Grazer Philharmonische Orchester eine Verpflichtung aus der eigenen Tradition heraus - so eigenartig das auch klingen mag.
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