40. Todestag von Jochen Rindt

Im Wiener Foto-Ausstellungsraum WestLicht erinnert eine Jochen-Rindt-Schau mit 140 Fotos an den Steirer mit deutschem Vater, der dem österreichischen Motorsport das Tor zum internationalen Erfolg öffnet hat. Am Sonntag ist der 40. Todestag des Rennfahrers.

Kultur aktuell, 03.09.2010

"James Dean des Rennsports" ist eines der Attribute, die sich Jochen Rindt durch seinen Unfalltod mit 28 Jahren eingehandelt hat. Dieses Unglück, das Österreich erschütterte, jährt sich am 5. September zum 40. Mal. Im Wiener Foto-Ausstellungsraum WestLicht wurde am Donnerstag eine Jochen Rindt-Schau eröffnet.

140 Fotos erinnern an den Steirer mit deutschem Vater, der dem österreichischen Motorsport das Tor zum internationalen Erfolg öffnet hat. Jochen Rindt wurde 1970 postum Weltmeister und bereitete Nachfolgern wie Niki Lauda den Weg.

Charisma, das nicht so leicht verblasst

Hunderte Schaulustige müssen draußen warten, weil der Andrang alles übersteigt, was je in der Geschichte des WestLicht dagewesen ist. Fotografen und Kameraleute klettern auf Stühle, um Jochen Rindts Witwe Nina in die Optik zu bekommen - und die anwesende Rennsportprominenz. Niki Lauda bei der Eröffnung der Jochen Rindt-Fotoschau: "Also er lebt einfach, weil er eine so starke, ausdrucksvolle Persönlichkeit war!"

Bei der Vernissage wirkte es so, als sei der Mythos Jochen Rindt nicht verblasst, auch nicht vier Jahrzehnte nach seinem Unfalltod beim Training in Monza. Raketenkarriere plus Verglühen mit 28 Jahren, der Habitus des Wilden Hundes mit der rabaukenmäßigen Nase, die wunderschöne Finnin an seiner Seite, die Ungezwungenheit vor der Kamera: Jochen Rindt war keine bloße Society-Figur, sondern hatte das Charisma, das es zum wirklichen Idol braucht.

Weltoffene Familie Rindt

Der Motorsportmanager Hans Geist, einer der Kuratoren, greift zu großen Vergleichen: "Wenn man sich die Bilder hier in der Galerie ein bisschen näher betrachtet, dann sieht man so eine Mischung von Steve McQueen, Jean-Paul Belmondo, und einem steirischen Bauernbuben, und es war auch die Familie Rindt mit ihrer ganzen Weltoffenheit und ihrer Reisetätigkeit. Heute Monte Carlo, morgen London, übermorgen Genf, und trotzdem Österreicher - das hat in dieser faden Zeit der 1960er Jahre, in diesem konservativen Leben, schon einen tollen Lichtstrahl ausgelöst."

Ohne Rindt kein WestLicht

Einer der Porträtschnappschüsse in der Ausstellung stammt vom WestLicht-Inhaber, der Fotografen und Kamerahändler Peter Coeln. Ohne Jochen Rindt gäbe es den Raum WestLicht nicht, erzählt er: "Am 30. August 1970 bin ich mit einem Freund nach Salzburg gefahren zum Formel 2-Rennen, mit meiner ersten Kamera, mit dem ersten Film, und bin frech in die Box marschiert und hab' den Jochen Rindt fotografiert. Er ist dann sechs Tage später verunglückt, wir haben das Foto in das Bilderrahmengeschäft eines Freundes gehängt - pathetischer Titel: Todesahnungen - und dann wollten plötzlich Leute das Foto kaufen. Ich habe mir gedacht, ich werd' Fotograf - dieses Foto war echt meine Lebensentscheidung."

Der Formel 1-Fahrer Helmut Marko wuchs mit Jochen Rindt auf: "Auf öffentlichen Straßen haben wir unsere Rennen durchgeführt. Im nächtlichen Graz haben wir unseren eigenen Rundkurs gehabt - auch die Schulstrecke von Bad Aussee nach Graz wurde jeweils als Rennen gefahren."

Pokern in der Box

Auf einem Foto sieht man Jochen Rindt beim Kartenspielen. Gerhard Berger fiel dazu eine Geschichte ein, die man sich noch heute in Rennsportkreisen über Rindt erzählt: "Das war das Qualifying soundso, und der Jochen hat noch Poker gespielt, und ist dann irgendwann aufgestanden und hat das Auto auf Pole Position gestellt."

Vereinzelt waren auch Künstler bei der Eröffnung zu finden. Günter Holler-Schuster von der Künstlergruppe G.R.A.M outete sich als totaler Jochen Rindt-Fan: "Er ist gestorben, da war ich sieben Jahre alt, und war dann mit der ganzen Family beim Begräbnis; es war der einzige Mensch, um den ich geweint hab', als Kind natürlich, und wo ich dann die Nachrichten stündlich verfolgt hab' im Glauben, es kommt eine Meldung, er lebt doch. Er war so ein role model ... dieses blaue Hemd mit den weißen Blumen, das es auf den Fotos öfter gibt mit den weißen Blumen - es ist mir gelungen, in Italien ein rotes zu finden. Es war durchaus vergleichbar mit Elvis, Beatles, Stones, also mit Leuten aus der Musik- und der Schauspielerwelt".

Der Waschbärenfell-Mantel

Die gezeigten Fotos werden im WestLicht auch verkauft - jeweils in einer Zehnerauflage. In der Ausstellung läuft auch die Filmdokumentation "Ein Toter wird Weltmeister - Jochen Rindts letzter Sommer", die am kommenden Sonntag in ORF 1 gesendet wird. Einmal ist Jochen Rindt darin in seinem Waschbärenfell-Mantel zu sehen: "Den ersten Rat, den ich Ihnen geben möchte: Steigen Sie nie mit so einem Mantel in ein Auto ein!"

Service

Ausstellung "Jochen Rindt - Der erste Popstar der Formel 1", 3. bis 26. September 2010, Galerie WestLicht,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (EUR 4,50 statt 6,50)

Galerie WestLicht