Mit knapper Zweidrittelmehrheit gewählt
ORF: Karl Amon neuer Hörfunkdirektor
Der ORF-Stiftungsrat hat am Vormittag mit klarer Mehrheit den bisherigen Chefredakteur der Zeit im Bild, Karl Amon, zum neuen Hörfunkdirektor bestellt. Im Vorfeld der Sitzung hatte es Widerstand von ÖVP-Seite gegen die Nachbesetzung dieses Postens gegeben, doch die ÖVP hat sich mit einem entsprechenden Antrag im Stiftungsrat nicht durchsetzen können.
8. April 2017, 21:58
Wahl im Stiftungsrat
TV-Chefredakteur Karl Amon (60) ist am Donnerstag vom ORF-Stiftungsrat mit breiter Mehrheit zum neuen ORF-Hörfunkdirektor bestellt worden. Abgesteckt wurden mit der Wahl auch die aktuellen Kräfteverhältnisse im obersten ORF-Aufsichtsgremium, das im August/September 2011 für die Neuwahl der kompletten ORF-Geschäftsführung zuständig ist. Hatte bei der Bestellung des ORF-Direktoriums 2006 noch eine gegen die ÖVP gebildete "Regenbogenkoalition" für die nötigen Mehrheiten gesorgt, so war es nun bei der Nachbesetzung des Radiodirektors eine "Ampel-Koalition" aus SPÖ, BZÖ, Grünen und Unabhängigen die Amons Wahl sicherte.
Abendjournal,09.09.2010
Mehr Stimmen als erwartet
"Ich sehe mich als Personalwunsch des Generaldirektors", so Amons erste Reaktion. Politische Verwicklungen wies er zurück. Der neue Chef der ORF-Radios, der seine Funktion mit 1. Oktober antreten wird, erhielt 23 von 35 möglichen Stimmen und damit eine wesentlich breitere Unterstützung, als in den vergangenen Tagen erwartet wurde. SPÖ (15), BZÖ (1) Grüne (1), zwei unabhängige Betriebsräten sowie zwei weitere unabhängige Stiftungsräte votierten für Amon. Dazu gesellten sich noch zwei bürgerliche Stiftungsräte, die für den "schwarzen Rahmen" der neuen ORF-"Ampel" sorgten.
Auch zwei ÖVP-Unterstützer
Gerhard Tötschinger und Heinz Fiedler, die zuvor bei einer Abstimmung darüber, ob der Posten des Radiodirektors bis zum Auslaufen der Funktionsperiode Ende 2011 überhaupt nachbesetzt werden soll, noch mit ihrem ÖVP-"Freundeskreis" gingen, schwenkten bei der Wahl zur Bestellung selbst noch ins Lager der Amon-Unterstützer. Die 12 Gegenstimmen kamen schließlich von der ÖVP (10) und FPÖ/FPK (2).
ÖVP: Amon besser weiter TV-Chefredakteur
Von dort gab es in den vergangenen Tagen auch die heftigste Kritik an der Personalentscheidung. Bürgerliche warnten vor einem "roten Wunschkonzert" und einem "Linksruck" im ORF. ÖVP-"Freundeskreis"-Leiter Franz Medwenitsch sprach sich am Donnerstag denn auch bis zuletzt gegen Amons Bestellung aus. Nach Ansicht der Schwarzen erfolgte diese nämlich vor allem auf Betreiben des roten Kanzleramts. "Unklug und verantwortungslos" nannte Medwenitsch das Vorgehen. Die Geschäftsführung werde im kommenden Jahr ohnehin neu bestellt, das Direktorium verkleinert. Die Fernseh-Information brauche Amon als Chefredakteur dringender als das Radio einen neuen Direktor. Mit dem Abgang Amons würde "die gesamte TV-Chefredaktion ausgeräumt", was kurz vor den Landtagswahlen in der Steiermark und in Wien "fahrlässig" sei.
"Keine Spaltung des Stiftungsrates"
Auch ORF-General Wrabetz freute sich über die "große Mehrheit" von 23 Stimmen. "Von einer Spaltung des Stiftungsrates ist keine Rede." Im Wording gab sich Wrabetz ähnlich wie Pelinka. Es habe eine konstruktive Diskussion über eine Sachfrage gegeben, "wo am Ende der Stiftungsrat den Vorschlägen der Geschäftsführung mit einer großen Mehrheit folgen konnte". Letzten Endes habe es fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit für Amon gegeben, so Wrabetz.
"Gekommen , um zu bleiben"
Amon selbst dementierte unterdessen ihm wiederholt nachgesagte Ambitionen auf den Posten des Generaldirektors. "Wäre Generaldirektor mein Traumjob, hätte ich mich darum bemüht", so der künftige Hörfunkchef. "Das ist ein bisschen wie eine Frau, die man sehr liebt. Bei der bleibt man auch." Er sei als Radiodirektor jedenfalls "gekommen, um zu bleiben".
Mittagsjournal, 10.09.2010
Vernetzung mit dem Internet
Seine wichtigste Aufgabe sieht der neue Hörfunkdirektor darin, die ORF-Radios auf die unumgängliche Vernetzung mit Fernsehen und Online vorzubereiten. Er sei ein Verfechter dieser "Trimedialität", sei aber nicht dafür, dass eine Journalistin, ein Journalist alle drei Meiden bedient. "Internatioanle Beispiele zeigen, dass die Trimedialität die Zukunft ist. Es wird von der Kostensituation her gar nicht anders gehen. Aber es steigt durch die Trimedialität auch die Qualität des Journalismus. Wenn Menschen räumlich beeinander sitzen und die Kommunikation besser ist, damit wird auch die Recherche besser und damit wird auch die Geschichte besser", so Amon.
Nachbesetzungen im Gange
Die Nachbesetzung war notwendig geworden, weil der bisherige Radiodirektor Willy Mitsche krankheitsbedingt zurückgetreten war und Ende August aus seiner Funktion ausschied. Die Bestellung Amons bringt nun das Postenkarussell in der TV-Information weiter in Schwung. Die Funktionen des Fernseh-Chefredakteurs sowie jene der Info-Chefs von ORF 1 und ORF 2 müssen in den nächsten Wochen ausgeschrieben und nachbesetzt werden. Als aussichtsreichste Kandidaten für die Amon-Nachfolge werden derzeit "ZiB 2"-Anchorman Armin Wolf, Talk-Moderatorin Ingrid Thurnher, der stellvertretende Innenpolitik-Chef der Fernseh-Information, Fritz Dittlbacher, sowie Fernseh-Innenpolitik-Ressortleiter Hans Bürger gehandelt.
Bis zur Klärung der Nachfolge in der TV-Chefredaktion will Amon dort übrigens "mit einem Fuß in der Tür" bleiben, wie er sagte. Präferenzen wollte er nicht preis geben: "Ich habe glaube ich auch hier recht vernünftige Nachwuchsarbeit gemacht und glaube, dass alle meine Führungskräfte für den Job geeignet sind." Dies schließe auch den "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf ein, so Amon auf Nachfrage von Journalisten.
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