Licht statt Essen

Der Film "Am Anfang war das Licht" von Regisseur P. A. Straubinger befasst sich mit der Frage, ob und wie Menschen nur von Licht leben können. Er heftet sich auf die Spuren dieses unglaublichen Phänomens und sucht von Mitteleuropa bis in den Fernen Osten nach Beweisen für dessen Existenz.

Kultur aktuell, 14.09.2010

Leben ohne zu essen

Zu sehen sind eine katholische Nonne, ein Schweizer Pharmazeut und ein indischer Yogi - drei Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen, die aber eines gemeinsam haben: Sie haben über Jahre hinweg keine feststoffliche Nahrung zu sich genommen.

Mit diesem Phänomen konfrontiert, denkt der aufgeklärte Kinobesucher natürlich zuerst an esoterischen Zauber, aber Regisseur P. A. Straubinger hatte ganz rationale Beweggründe, seinen Film zu drehen.

"Das möchte ich voranstellen: Ich habe überhaupt kein Interesse daran, Menschen dazu zu bewegen, sich von Licht zu ernähren oder auch nur weniger zu essen. Mir ist es vor allem um das wissenschaftliche Phänomen gegangen: Wenn es einen Menschen auf der Welt gibt, der dauerhaft ohne Essen und Trinken leben kann, stellt es einige Dogmen der Wissenschaft auf den Kopf", sagt er.

Die Schulmedizin sucht nach Erklärungen

Straubinger löst diesen Anspruch auch ein. Die oben erwähnten "Lichtmenschen" haben sich nämlich für gründliche Untersuchungen zur Verfügung gestellt und der Regisseur konfrontiert in seinem Film die Schulmedizin mit den Ergebnissen.

Anton Luger, Stoffwechselexperte an der Universität Wien, reagierte mehr als überrascht: "Er hat über zehn Tage weder uriniert, noch hat er Stuhl unter sich gelassen, noch hat er irgendetwas getrunken oder gegessen. Es gibt die Laborbefunde - man würde sich erwarten, dass die harnpflichtigen Substanzen haushoch sind. Das ist eine absolute Bombe!"

Westliche gegen östliche Medizin

Straubinger möchte es aber nicht beim Staunen belassen, sondern sucht nach Erklärungsmodellen. Bei der Schulmedizin stößt er dabei rasch an Grenzen. Schon die mittlerweile anerkannte Akupunktur kann nach westlich wissenschaftlichen Maßstäben bis heute nicht schlüssig erklärt werden, so der Regisseur: "Die Schulmedizin bezieht ihr komplettes Wissen vom toten Körper. Deren Erklärung des Körpers wurde eigentlich durch das Aufschneiden von Leichen entwickelt."

Im Gegensatz dazu beziehe die östliche Medizin ihr komplettes Wissen vom lebenden Körper, meint er. Darum sei dort eine Vorstellung von Meridianen, Akupunktur und Ähnlichem vorhanden, die es ja streng schulmedizinisch gesehen nicht gibt. Meridiane lassen sich nämlich morphologisch nicht nachweisen.

Lösungsansätze aus anderen Disziplinen

Straubinger sucht weiter und konfrontiert andere wissenschaftliche Disziplinen mit den Ergebnissen. Er besucht hochrangige Physiker und Biochemiker, die an Eliteuniversitäten wie Cambridge oder Princeton forschen.

Ein deutscher Biophysiker liefert ihm schließlich einen interessanten Anknüpfungspunkt: "Fritz Albert Popp sagt, das biochemische Weltbild ist unglaublich naiv. Zu glauben, dass unser ganzer Körper sozusagen über Enzyme, Hormone und so weiter - über den Blutkreislauf - gesteuert würde, ist naiv. Es würde nie funktionieren, Milliarden von Zellen so zu koordinieren. Das geht nur über Licht, mit Lichtgeschwindigkeit", erzählt der Regisseur.

Dieser Fritz-Albert Popp greift in seiner Theorie auf so genannte Bio-Photonen zurück, mit denen neue Erklärungsmodelle vorstellbar sind, wie er im Film erklärt: "Wesentlich ist die Lichtspeicherung und die Lichtversorgung des Organismus, weil er ein Lichtwesen ist. Deswegen kann er auch - oder könnte er auch - auf feste Nahrung verzichten und allein nur vom Licht leben."

Road-Movie und Dokumentation

"Am Anfang war das Licht" zeigt eine doppelte Bewegung. Als Road-Movie führt der Film rund um die Welt in die Tempel der östlichen Religionen und der westlichen Wissenschaften, gleichzeitig taucht er wie ein leidenschaftlicher Forscher auf der Suche nach Antworten in die Tiefe. Nicht umsonst wurde der Dokumentation deshalb auch das Prädikat "besonders wertvoll" verliehen. Sie ist ab Freitag in den Kinos zu sehen.

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Am Anfang war das Licht - offizielle Homepage