Dimitré Dinev

ORF/MINITTA KANDLBAUER

Menschenbilder

Dimitré Dinev, Schriftsteller

Das Wunder des Erzählens. Der bulgarisch-österreichische Autor Dimitré Dinev

Wenn es wieder einmal einen Stromausfall gab und am Abend das Licht ausging, dann sei die Familie im Finstern um den Tisch herumgesessen und man habe sich Geschichten erzählt. Das habe ihn süchtig nach Stromausfällen gemacht, erzählt Dimitré Dinev in Rückblick auf seine Kindheit.

1968 wird Dimitré Dinev in Bulgarien geboren, 1990 kommt er als Flüchtling nach Österreich. Jahrelang arbeitet er als Würstelverkäufer und Hilfsarbeiter, neben der Brotarbeit schreibt er - mit der Hand und von Anfang an auf Deutsch. 2003 erscheint sein fulminanter Migrationsroman "Engelszungen", der ihn auf einen Schlag berühmt macht. Sogar auf den Opernball lädt man ihn ein.

Die Erwartungen für einen zweiten Roman sind groß, aber das Warten dauert lange. Dinev wird Vater und hält sich mit Arbeiten für die Bühne, mit der Hilfe seiner Frau und der Unterstützung durch Freunde über Wasser, bis 2025 nach 22 Jahren sein über 1000 Seiten starkes Epos "Zeit der Mutigen" erscheint, mit dem er den Österreichischen Buchpreis gewinnt.

In diesem seinem zweiten Roman erzählt Dimitré Dinev - dem Lauf der Donau folgend - die Geschichte dreier Generationen und eines Jahrhunderts. Er könne nur bewundern, meint Robert Menasse über seinen Kollegen, wie Dinev mit seiner sinnlichen Präzision der Sprache die Abgründe der Geschichte und den Lebenstrotz der menschlichen Seele ineinander spiegelt.

Gestaltung: Eva Schobel

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  • Eva Schobel