Flexibel dank Überstunden

Lehrermangel kein Problem?

Nahezu alle Bundeländer melden in diesen Wochen einen Mangel an Lehrkräften an. Besonders an den höheren Schulen fehlen vor allem Chemie-Physik- und Mathematiklehrer. Wie gehen nun Schulen mit dieser Mangelsituation um? Das Beispiel Wien zeigt: Man hilft sich mit Überstunden und ist offenbar zufrieden damit.

Morgenjournal, 14.09.2010

"Flexibel mit Überstunden"

In Wien steigen im Gegensatz zu anderen Bundesländern, die Schülerzahlen. Dennoch lassen sich hier auch allgemeine Tendenzen feststellen. Den leichten Lehrermangel in Wien, vor allem in den Höheren Schulen, sieht der Bildungsforscher im Stadtschulrat und Bezirksinspektor im 17.Bezirk, Rupert Corazza, nicht unbedingt als Übel an. Denn jede Unterrichtsstunde könne gehalten werden, so viel Lehrpersonal sei vorhanden: "Und wenn an der einen oder anderen Schule einmal ein oder zwei Personen fehlen, dann ist das eine sehr gute und angenehme Möglichkeit, flexibel mit Überstunden den Ausgleich zu schaffen."

Positive Effekte

Überstunden heißt also das Zauberwort. Aus manch vielleicht bisher verminderter Lehrverpflichtung werde damit ein attraktiverer Fulltimejob, so Corazza. So wird offenbar aus einer Not eine Wiener Tugend: Die Bezahlung von Überstunden sei ein finanzieller Anreiz, aber auch ein Anreiz, "Dinge zu unterrichten, die man vorher nicht untergerbacht hat in der Lehrverpflichtung".

Attraktiver Lehrer-Job

Kostenmäßig kämen die Überstunden nicht teurer als die Einstellung neuer Lehrerinnen und Lehrer, sagt Rupert Corazza: "Das ist ein Nullsummenspiel." Dazu komme, dass Schulen ein attraktiver, krisenfester Arbeitsplatz geworden seien, der von Studenten gestürmt werde. Eine vielleicht zu rosige Sicht des Wiener Stadtschulrats auf die Dinge? Nun, immerhin können offensichtlich alle Unterrichtstunden stattfinden, und die Überstunden würden von den Lehrern gut angenommen. Dabei sei, so wird betont, vor allem von den Höheren Schulen, den AHS und den BHS die Rede. In den Pflichtschulen, also Volks- und Hauptschulen gebe es derzeit ohnehin genügend Lehrkräfte.