Picasso als aktiver Kommunist
Frieden und Freiheit
Die Wiener Albertina hat mit der Tate Liverpool eine große Picasso-Schau zusammengestellt. Ab Dienstag sind die 250 Kunstwerke unter dem Titel "Frieden und Freiheit" in Wien zu sehen. Picasso wird mit dieser Ausstellung als Friedensaktivist und aktiver Kommunist präsentiert.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 20.09.2010
Aufschrei gegen das Kriegsgemetzel
Das Gemälde mit dem Titel "Das Beinhaus", das Hauptwerk dieser Schau, erinnert an "Guernica", eines der wohl berühmtesten Gemälde Picassos, und ist ein ebenso leidenschaftlicher Aufschrei gegen das Kriegsgemetzel.
Es entstand im Jahr 1944/45 vermutlich nach einem Zeitungsfoto, das eine ganze Familie zeigte, die von Anhängern der Franco Diktatur in ihrer Küche ermordet worden war. Picasso malte in kubistischer Manier übereinander geschachtelte, verrenkte Körperteile, in schwarz, weiß und grau, als sei das Blut aus den menschlichen Körpern gänzlich entwichen.
Zerstörung und Leben
Knallbunt hingegen malte Picasso die Befreiung Frankreichs, als Gallischen Hahn in den knalligsten, lebensfrohen Farben. "Farbe ist für ihn die Frage zwischen Sein und Nichtsein, die Frage zwischen Tag und Nacht, zwischen Zerstörung und Leben", erläutert Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder.
1944 trat Pablo Picasso der kommunistischen Partei bei, deren Mitglied er bis zu seinem Tod im Jahr 1973 blieb. "Bis heute ist Pablo Picasso der größte Spender, den es jemals in einer kommunistischen Partei gegeben hat", so Schröder. "Bis heute ist er derjenige, ohne dessen legendäre Editionen, Plakate, Verkäufe von Grafiken die Weltfriedenskongresse so gar nicht hätten stattfinden können. Es war nicht nur seine Stimme, sondern es war auch das Vermögen, es war die persönliche Leistung, das persönliche Engagement Picassos, das überhaupt diese Weltfriedenskongresse hat stattfinden lassen."
Kunstwerk für Kuba
Lynda Morris, die die Schau für Liverpool betreut hat, hat jahrelang Forschungen zum politischen Engagement Picassos betrieben und weist etwa auf zwei Briefe Fidel Castros hin, in denen er über ein Kunstwerk für Kuba verhandelte. Als Kommunist war Picasso die Einreise in die USA verwehrt.
Lynda Morris betont, das Picasso keinesfalls Stalinist war, dass er Stalins verhalten im Ungarnaufstand sehr wohl kritisierte. "Das war die große sozialistische Utopie, an die die italienischen, die französischen Kommunisten geglaubt haben", sagt Klaus Albrecht Schröder. "In Freundschaftszirkel bei Sartre, bei Camus, bei Louis Aragon hat sich Picasso aufgehoben gefühlt. Aber ästhetisch ist er keine Kompromisse eingegangen - wenn er meinte, solange er Stalin keine Vorschriften mache, wie man eine Volkswirtschaft zu führen hat, lässt er sich von Stalin nicht diktieren, wie man ein Bild zu malen hat. Wenn er das sagt, meint er bereits, dass Kunst ihre eigenen Gesetze hat, von denen die große Politik nichts versteht."
Reaktion auf die Krisen der Zeit
Die Ausstellung "Frieden und Freiheit" zeigt Picasso als einen zutiefst in der Gegenwart verankerten Künstler, der mit seiner Kunst auf die Krisen seiner Zeit reagierte. Zu sehen sind etliche Hauptwerke, Filme (etwa wie Picasso an den Weltfriedenskongressen teilnahm) und Zeitungsdokumente. Dem Thema entsprechend werden die Gemälde auf Zeitungstapeten präsentiert. Das lässt ihre oft drastische Aussage sehr aktuell wirken.
