Kammeroper zeigt "L'isola disabitata"
Rares von Haydn
Die Wiener Kammeroper widmet ihre nächste Premiere am Donnerstag, 21. Oktober 2010, Joseph Haydn. Auf dem Programm steht die weitgehend unbekannte Oper "L'isola disabitata" ("Die wüste Insel"). Es ist das erste Werk Haydns, das unter dem Titel "Azione Teatrale" läuft.
8. April 2017, 21:58
Kultur aktuell, 19.10.2010
Für die Kammeroper ideal
Zwei Schwestern verschlägt es auf eine einsame Insel. Während sich die eine mit den neuen Leben bestens arrangiert, glaubt sich die andere vom Bräutigam verlassen. Bis eines Tages ein Schiff anlegt...
"L'isola disabitata" wurde zum Namenstag von Fürst Nikolaus am 6. Dezember 1779 uraufgeführt und erfreute sich großer Beliebtheit. Wie Haydn hier mit Motiven und Rezitativen umgeht, ist einzigartig - die kleine Besetzung entspricht der für Haydn neuen Gattung "Azione Teatrale" und ist in ihrer Schlankheit für die Wiener Kammeroper ideal.
Farbig und dramatisch
Zu hören ist übrigens die zweite, von Haydn 1802 erstellte Fassung. "Mich hat das Stück so unglaublich fasziniert, wie es gemacht ist. Ich wusste nicht, dass das Haydns erste sozusagen durchkomponierte Oper ist, ohne die üblichen Cembalo-Rezitative", so Daniel Hoyem Cavazza, Musikalischer Leiter der Wiener Kammeroper. "Das gesamte Orchester spielt die Accompagnati. Dadurch gibt es eine große Variation an Rezitativcharakteren. Das ganze ist sehr farbig und dramatisch geschrieben. Man merkt das auch bei der Probenarbeit mit den Musikern."
Inszeniert hat Yona Kim. Die Südkoreanerin hat in Wien studiert und bisher unter anderem an der Sächsichen Staatsoper Dresden, der Staatsoper Stuttgart und den Schwetzinger Festspielen gearbeitet.
Sie hat sich dem Werk zunächst mit großer Skepsis genähert - elendslange Rezitative und - zumindest auf den ersten Blick - mangelnde Dramatik haben sie zunächst abgeschreckt.
Haydns elegante Komik
Yona Kim wollte das Werk "knacken", versetzte die beiden Mädchen in eine Art Barbieland. Evi Wiedemann und Linda Redlin schufen Bühnenbild und Kostüme - allesamt rosa kitschig wie die Steinengerln und bunten Madonnen in den Regalen. Yona Kim hat durchwegs komödiantische Typen geschaffen, ganz im Sinne von "Papa Haydn".
"Wenn man diese Oper ganz genau hört - nicht unbedingt die Arien, aber die Accompagnato-Rezitative -, dann ist die Orchesternotierung so präzise und so komisch und so elegant und spritzig, dass ich sogar gedacht hab, Papa Haydn könnte da auch etwas Lustiges gemeint haben. Man muss die Rezitative nur genau hören, dann entsteht die Komik von selbst", so die Regisseurin.
Zu hören ist wieder ein durchwegs junges Sängerensemle - darunter zwei Preisträger des Internationalen Hans Gabor Gesangswettbewerbs. "L'isola disabitata" ist bis 16. November 2010 zu sehen.
Service
Joseph Haydn, "L'isola disabitata", 21. Oktober bis 16. November 2010, Wiener Kammeroper,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (zehn Prozent).
Wiener Kammeroper
