Saft aus Sprache

Als Weggefährte der Wiener Aktionisten und später dann als Fotograf und Dokumentarist des Aktionismus und hat sich Heinz Cibulka in der internationalen Kunstszene einen Namen gemacht. Dass auch das Schreiben stets einen wesentlichen Teil seiner künstlerischen Praxis bildet, zeigt jetzt der Band "Saft aus Sprache", der Texte aus 20 Jahren versammelt.

Kultur aktuell, 18.12.2010

Als Modell von Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler hat Heinz Cibulka seine Karriere begonnen, als so genannter "passiver Darsteller" bei Aktionen im Wien der 1960er Jahre. Er habe seinen Körper für Aktionen eingesetzt, um damit seinen Horizont zu erweitern, sagt Heinz Cibulka und aus dem aktionistischen Geist sei dann auch sein gesamtes künstlerisches Werk entstanden: Material- und Objektbilder, Installationen, Performances, Collagen, Fotos und eben auch Literatur.

Gesprächsfetzen ...

"Saft aus Sprache" - das sind Texte, die mit literarischen Verfahren arbeiten, die die Wiener Gruppe entwickelt hat und der Untertitel verspricht denn auch: Abschriften, Notenbild-Verbarien, freie Reihungen, Texturen. Heurigengesprächsfetzen aus Stammersdorf finden sich da ebenso wie eine Speisekarte aus dem Jahr 1975 oder Assoziationen zu Schuberts "Der Müller und der Bach".

... und fotografische Bildgedichte

Immer wieder stehen knappen lyrischen Texten Fotografien in Vierergruppen gegenüber: die sogenannten fotografischen Bildgedichte - ein Markenzeichen des Künstlers, das die enge Verbindung zwischen den beiden Medien Bild und Text deutlich macht. "So halte ich Material für den empfindsamen Beschauer hin, das sich zu lebhaften Eindruckswolken formen kann", schreibt Heinz Cibulka. In den Fotos ebenso wie in den Texten geht es ihm um die Abbildung einer unverfälschten Wirklichkeit - im Mittelpunkt: die Landschaft und die bäuerlichen Lebensformen des Weinviertels.

Die Texte aus den Jahren zwischen 1970 und 1990, die der Band "Saft aus Sprache" versammelt, sind nur der erste Teil dieser Spurensuche. Und er verspricht: Fortsetzung folgt - allerdings mit zunehmend veränderter Ausrichtung. Erschienen ist der Band in der Literaturedition NÖ.