"Peggy Pickit" im Akademietheater

Der 43-jährige Roland Schimmelpfennig ist der derzeit meistgespielte deutsche Gegenwartsdramatiker. Einem Stückauftrag aus dem fernen Toronto ist sein neuestes Werk "Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes" zu verdanken. Am Sonntag, 19. Dezember 2010 hatte es in der Inszenierung des Autors im Wiener Akademietheater Premiere.

Kultur aktuell, 20.12.2010

Grundthema Afrika

"Mein Stück handelt von Afrika, aber es ist ein europäisches Drama. Das Stück spielt hier", schreibt Roland Schimmelpfennig in den Anmerkungen zu seinem neuen Stück. Die einfache Grundsituation: Zwei Paare treffen nach fünf Jahren aufeinander. Sie sind alle Ärzte. Die einen waren in Afrika, die anderen sind zu Hause geblieben. Diese haben ein Kind, und als Mitbringsel bekommen sie eine afrikanische Holzpuppe. Die trifft nun auf Peggy Pickit, die Gummipuppe des deutschen Kindes.

Sprach- und Ratlosigkeit tut sich auf zwischen den Paaren, aber auch innerhalb jedes einzelnen Paares. Die Problemfelder von Aids und der europäischen Hilfe in den betroffenen Gebieten, von Wegschauen und Eingreifen-Wollen werden in Schimmelpfennigs Stück abgetastet. Wieder mit dabei: Christiane von Poelnitz, die schon in den vielfach ausgezeichneten Vorgängerstücken wie "Die Frau von früher" und "Der Goldene Drache" aufgetreten ist. Außerdem Caroline Peters, Tilo Nest und Peter Knaack.

Beklommene Zustimmung

Die deutschsprachige Erstaufführung in Berlin hatte Martina Kusej inszeniert, mit mäßigem Erfolg für die Regie. Das Akademietheaterpublikum spendete nun beklommenen, aber intensiven Applaus für Schimmelpfennig und die vier Darsteller.

Denn Roland Schimmelpfenning inszeniert sein Stück genau nach der Vorlage, mit den genau angegebenen Pausen, den eingebauten Zeitsprüngen, den Wiederholungen einzelner Passagen, wie sie für die Schimmelpfennigdramatik typisch sind. Die einen genießen diese Stop-and-go-, Stop-and-rewind-Dramatik, die anderen finden diese manchmal auch etwas lähmend.

Modische Beziehungskisten

Das heiße Eisen Afrika und unser schwieriges Verhältnis zu den Tragödien dieses Kontinents scheint Schimmelpfennig jedenfalls relativ schnell aus den Händen zu fallen. Die Beziehungskisten der beiden Paare, ein modischer Topos in der heutigen Dramatik, sind da natürlich leichter konsumierbar.

Dennoch Schimmelpfennigs Drama ist ehrlich, auch die Schlusssätze: "Ich kann nichts dafür was passiert ist, dafür kann keiner was, ist nicht mein Fehler", die das Publikum mit seiner eigenen Haltung konfrontiert und wie ein Echo auf Christoph Schlingensiefs letzte Arbeiten in Wien wirken, der sich etwa in "Mea culpa " mit der Schuldfrage und mit Afrika auseinandergesetzt hat.

Service

Mehr dazu in ORF.at

Burgtheater