Unwetter in Kolumbien

Während Europa im Schnee versinkt, kämpft das südamerikanische Land Kolumbien gegen die schwersten Niederschläge seit fünf Jahrzehnten. Seit Ende November hat unaufhörlicher Regen dazu geführt, dass Kolumbien die größte Naturkatastrophe seiner Geschichte erlebt. Über zwei Millionen Menschen sind von den Folgen der unaufhaltsamen Fluten betroffen.

Mittagsjournal, 22.12.2010

Zwei Millionen Menschen obdachlos

Es spielen sich dramatische Szenen im Norden Kolumbiens ab. Die Menschen sind verzweifelt. Die Bilanz ist verheerend: 800.000 Hektar fruchtbarer Boden wurden in den letzten drei Wochen überschwemmt. Über zwei Millionen Menschen sind obdachlos geworden und knapp 300 Todesopfer sind bisher zu beklagen. Nach wie vor werden zahlreiche Personen als vermisst gemeldet.

Viele verlieren Arbeitsplätze

Jene, die sich vor den Fluten retten konnten, stehen nun vor der nächsten Katastrophe. Sie haben mit dem Land auch ihre Arbeitsplätze in den zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben verloren, sagt Anibal Vicuña: "Es gab hier immer viele Arbeiter und jetzt befürchten wir alle, dass wir morgen ohne Arbeit dastehen. Was naheliegt, denn schaut euch das an, die Weintrauben verfaulen. Wir können nicht viel machen und sind besorgt um unsere Zukunft."

„Brauchen rasche Hilfe von der Regierung“

Freddy Londoño wird gezwungen sein den Familienbetrieb zu schließen und Anibal Vicuna und zahlreiche andere Arbeiter zu entlassen: "Wenn wir nicht rasch Hilfe von der Regierung bekommen, dann wird ein Unternehmen, das seit 50 Jahren existiert, verschwinden und wir werden alle auf der Straße landen. Es wird über zwei Jahre dauern, bis wieder geerntet werden kann. Kein Unternehmen kann sich unter solchen Bedingungen so lange halten."

Schäden in Milliardenhöhe

Über eine Million Kolumbianer werden nach ersten Schätzungen ihren Arbeitsplatz verlieren. Bisher spricht die Regierung von Schäden von mehreren Milliarden US Dollar. Präsident Juan Manuel Santos hat sein Präsidentengehalt in diesem Monat den Flutopfern gespendet und fordert seine Mitarbeiter auf, es ihm zum Teil gleich zu tun. Bisher haben 21 Länder insgesamt 10.5 Millionen US Dollar gespendet, so der Innenminister German Vargas Lleras: "Der diesjährige Winter hat die gesamte Infrastruktur des Landes stark beeinträchtigt. Wir müssen zusehen, dass wir die Folgen dieser Situation zunächst mildern, damit die Regierung später mit dem Wiederaufbau beginnen kann. Momentan müssen wir vor allem die Gesundheitsversorgung gewährleisten."

Neue Regenfälle

Jetzt befürchten die Behörden, dass eine Cholera-Epidemie ausbrechen könnte. Ebenfalls von den sintflutartigen Regenfällen sind die Nachbarländer Costa Rica, Panama und Venezuela betroffen. In den nächsten Tagen werden erneut Niederschläge erwartet.

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