Auf der Suche nach Soma

Ausstellung mit zwölf Rentieren

Kunst am lebenden Objekt ist derzeit in Berlin zu sehen. In der Halle des Hamburger Bahnhofs, des Berliner Museums, tummeln sich zwölf Rentiere, mittendrin Besucher, die vielleicht die Wirkung von Soma, einem mystischen Rauschtrank der indogermanischen Veden im 2. Jahrtausend vor Christus, erfahren können.

Die Idee und die Ausführung der lebendigen Ausstellung "Soma" stammt von Carsten Höller, der bereits einen Ruf als mad scientist in der Kunstwelt besitzt.

Kulturjournal, 23.12.2010

Eine Halle, die durch einen kleinen Steg getrennt wird, der zu einem Doppelbett führt, das auf einem hohen Podest platziert ist. Links und rechts das gleiche Setting. Jeweils zwei große Käfige, in denen sich Vögel befinden, jeweils zwei Kästen, in denen je zwei Mäuse hausen, links und rechts Kühlschränke vom gleichen Stil, in denen Fliegenpilze gelagert werden - und die zwölf Rentiere natürlich auch links und rechts und jeweils sechs.

Berauschendes Soma

Soma ist ein Trank mit berauschender und erhellender Wirkung. Zumindest wird davon in der ältesten der vier Gründungschriften der hinduistischen Religion berichtet wenn es da heißt: "Wir haben das Soma getrunken; wir sind unsterblich geworden, wir haben das Licht gesehen; wir haben die Götter gefunden". Grund genug für den Künstler Carsten Höller sich mit dem Rauschtrank zu beschäftigen.

Leider ist das Rezept für den genialen Drink bei der Wanderung der indogermanischen Nomaden verloren gegangen. Seit dem 19. Jahrhundert versuchen die verschiedensten Wissenschaftler, es wieder zu finden. Carsten Höller stellt eine eigene These auf: Soma könnte vom Urin der Rentiere stammen. Diese fressen Fliegenpilze und der Urin soll als psychoaktives Getränk für den Menschen bekömmlich sein.

Genaues Beobachten um 1.000 Euro

Darin besteht auch das Experiment im Hamburger Bahnhof. Der Urin der Rentiere wird den Vögeln in den Käfigen und den Mäusen in den Boxen verabreicht - nur weiß der Betrachter nicht, welchen von den Tieren. Der Betrachter soll selbst seine eigenen Schlüsse ziehen und Beobachtungen, erklärt die Kuratorin Dorothee Brill.

Manche möchten es ganz genau wissen und bleiben eine ganze Nacht bei den Tieren, in einem Bett auf dem Podest, für die Hoffnung auf Einsicht und für 1.000 Euro.

Carsten Höller um eine Suche nach sich selbst, nach der eigenen Wahrnehmung, den verschiedenen Betrachtungen von Kunst - und wenn es manchen gelingt: Die Begegnung mit dem Göttlichen im Rausch und was sich eben sonst noch beim Betrachten und Wahrnehmen auftut.

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Soma in Berlin