Peking erhöht Zinsen erneut

Chinas Zentralbank erhöht zum zweiten Mal in gut zwei Monaten die Zinsen und verstärkt damit den Kampf gegen die hohe Inflation. Rasant steigende Lebensmittelpreise trieben die Teuerungsrate im November auf 5,1 Prozent - den höchsten Stand seit fast zweieinhalb Jahren.

Abendjournal, 26.12.2010

Felix Lee

Gegen "Blasenbildung"

Der Leitzins für Kredite steige ab Sonntag um 25 Basispunkte auf 5,81 Prozent, der Schlüsselzins für Einlagen um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent, teilte die Notenbank am Samstag mit. Die Währungshüter hatten bereits angekündigt, mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen gegen Inflation und Vermögenspreisblasen anzugehen.

Unruhen befüürchtet

Die stark steigenden Kosten für Nahrungsmittel vor allem Hunderte Millionen arme Chinesen. Die Regierung fürchtet deshalb soziale Unruhen. Um das zu verhindern, hat sie unter anderem Preiskontrollen angeordnet.

Wirkungsvoller zu Jahresende

Mit der erneuten Zinsanhebung demonstrierten die chinesischen Behörden ihre Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation, sagte Qing Wang, Chefökonom für China bei Morgan Stanley in Hongkong. Eine Zinserhöhung zum Jahresende sei wirkungsvoller, da die Zinssätze für mittel- und langfristige Darlehen und Einlagen Anfang jedes Jahres entsprechend der Basis-Zinssätze angepasst würden.

Aktien gaben nach

Die meisten Experten hatten mit einer Zinsanhebung gerechnet, waren sich jedoch nicht sicher, ob sie noch in diesem Jahr beschlossen würde. Die chinesischen Aktienmärkte haben in Erwartung einer weiteren Straffung der Geldpolitik seit Mitte November fast zehn Prozent nachgegeben. Im Oktober hatte die Zentralbank die Zinsen erstmals seit fast drei Jahren angehoben, um den Preisdruck im Zaum zu halten. Zudem hat China die Mindestreserve-Anforderungen für Banken in diesem Jahr bereits sechs Mal erhöht und die Kreditvergabe durch die Institute eingeschränkt. Die Regierung in Peking hat überdies eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um eine Vermögenspreisblase am Immobilienmarkt zu verhindern.