Weltkrieg der Währungen

Erst rutscht der Euro, nun der Dollar. Staaten manipulieren ihre Währungen, um der eigenen Wirtschat einen Vorteil zu verschaffen. Der deutsche Journalist Daniel D. Eckert analysiert in seinem neuen Buch den Kampf von Euro, Gold und Yuan um das Erbe des Dollars.

Neue Demarkationslinie

Die meisten Menschen machen sich nur wenige Gedanken über ihre Währung. Sie wollen ihren Lohn, sie hoffen, dass die Preise nicht zu stark steigen und dass sie einmal eine ausreichende Pension bekommen werden.

In welcher Relation ihre Euro zum Dollar oder Yuan stehen, kümmert sie kaum. Dabei werden heute die Kämpfe um die Vorherrschaft in der Welt weniger mit Waffen ausgetragen, als vielmehr mit eben jenen Währungen. Die neue Demarkationslinie nennt das der Journalist Daniel Eckert.

Der Wechselkurs zwischen der chinesischen und der amerikanischen Währung ist die vielleicht wichtigste und umkämpfteste Grenze des 21. Jahrhunderts. Je nachdem, wo diese monetäre Demarkationslinie verläuft, ob sie eher in die eine oder andere Richtung verschoben werden kann, werden Billionen von Dollar in die westliche Volkswirtschaft kanalisiert - oder eben in die schnell expandierende chinesische Ökonomie.

Ruhepol Euro, Aggressor Yuan?

Den Euro sieht Eckert in diesem Kampf als Zuseher. Als ruhenden Pol. Anders als Dollar oder Yuan ist der Euro keine aggressive Währung, sondern laut Eckert eine Defensiv-Devise, die im Idealfall dem internationalen Währungssystem zu einer neuen Symmetrie verhelfen könnte.

Vor allem die USA werfen den Chinesen in schöner Regelmäßigkeit vor, ihre Währung künstliche niedrig zu halten. Das stärke die chinesischen Exporte - weil dadurch die chinesischen Produkte im Ausland billig sind - und schwäche die amerikanische Wirtschaft.

Das stimme so nicht ganz, meint Eckert. Denn obwohl der Yuan in letzter Zeit nicht so stark aufgewertet hat, wie es der wirtschaftlichen Stärke des Landes entsprechen würde, so hat er eben doch aufgewertet. Und die amerikanische Wirtschaft ist nichtsdestotrotz schwächer und schwächer geworden. Auf die chinesische Führung zu zeigen und sie der Währungsmanipulation zu bezichtigen ist eben auch ein probates Mittel, um von der fundamentalen Schwäche Amerikas abzulenken.

Der Trick mit der Druckerpresse

Die USA leben schon seit geraumer Zeit massiv über ihre Verhältnisse. Möglich ist das nur, weil der Greenback weltweit als Leitwährung angesehen wird. Geht es den Vereinigten Staaten schlecht, werfen sie ganz einfach die Druckerpresse an. Irgendwer auf der Welt wird die Schuldverschreibungen schon kaufen.

Noch zu Beginn der siebziger Jahre war Amerika der größte Gläubiger auf dem Planeten, binnen anderthalb Jahrzehnten hat es sich zum größten Schuldner gewandelt.

Und nicht nur der amerikanische Staat hat sich bis über beide Ohren verschuldet, auch die amerikanischen Haushalte taten dies. Seit Ende der 1970er Jahre sind die realen Löhne in den USA kaum mehr gestiegen. Diese Schwäche der Ökonomie wurde durch einen simplen Trick ausgeglichen. Durch extrem niedrige Zinsen.

Dadurch konnten sich Millionen Amerikaner Konsumwünsche erfüllen, die ihnen ihr stagnierendes Arbeitseinkommen nicht mehr erlaubt hätte: der größere Fernseher, das dickere Auto, das schöne Haus. Das Leben auf Pump wurde zum integralen Bestandteil des "American Way of Life". Es wurde damit auch zu einer besonderen Variante des Versorgungsstaates.

Impulse per Schulden

Nach der Pleite von Lehmann Brothers im September 2008 haben sich die Vereinigten Staaten noch mehr verschuldet, um der Wirtschaft neue Impulse zu geben. Das Haushaltsdefizit hat mittlerweile astronomische Höhen erreicht und viele Experten - auch Eckert - sehen als einzige Möglichkeit, wie der amerikanische Staat seine Schulden jemals wieder los werden kann, eine hohe Inflation. Die, da ja die meisten Gläubiger außerhalb der Vereinigten Staaten sind, ohnehin nur die anderen treffen würde.

In Bezug auf Geld hat jede Nation ihr eigenes Trauma. In Deutschland ist die Hyperinflation der 1920er Jahre nach wie vor der zentrale Schock. Deshalb unternahm die Deutsche Bundesbank alles, um die D-Mark nur ja stabil zu halten. Mit dem Euro versuchen die Deutschen dasselbe.

In Amerika hingegen ist die Große Depression der 1930er Jahre das kollektive Angstszenario. Aus diesem Grund pumpt die Fed - die Zentralbank der Vereinigten Staaten - auch unbegrenzt Geld in die Wirtschaft. Mit allen Mitteln will sie einen wirtschaftlichen Abschwung verhindern - auch wenn das nur zum Preis einer hohen Inflation möglich sein sollte. Und auch die Chinesen haben ihr Trauma.

Seit dem späten 19. Jahrhundert erlebte das Reich der Mitte etliche Inflationen und Währungsschnitte. Die in China verwendeten Zahlungsmittel wechselten in schwindelerregend schnellem Takt. Zuweilen hatten sie nicht einmal ein Jahrzehnt lang Bestand. Als Volk sahen die Chinesen in etwas mehr als einem Jahrhundert so viele Währungen kommen und gehen (sprich verfallen), dass sie fast noch mehr Anlass für monetäre Phobien hätten als die inflationsneurotischen Deutschen.

Wertneutrale Erklärungen

"Weltkrieg der Währungen" ist ein informatives Buch, das die Geschichte des Dollars ebenso abhandelt wie die Abkehr der Währungen vom Goldstandard. Die aktuelle Krise in Griechenland erklärt Eckert ebenso wie die vorherrschende wirtschaftliche Sicht der chinesischen Kader.

Der Journalist schreibt leicht verständlich, spannend - und was das Wichtigste ist: wertneutral. Im Gegensatz zu vielen anderen, die sich zur Zeit zum Thema Wirtschaft zur Wort melden, will er nicht gleich das ganze System abschaffen und er sieht es auch nicht als seine Aufgabe, dem Leser moralin-geschwängerte Abhandlungen über die Ökonomie an sich und für sich nahe zu bringen. Er informiert bloß - und etwas anderes sollte ein guter Wirtschaftsjournalist auch nicht tun.

Service

Daniel D. Eckert, "Weltkrieg der Währungen. Wie Euro, Gold und Yuan um das Erbe des Dollars kämpfen.", FinanzBuch Verlag

FinanzBuch Verlag