Andro Wekua aus Georgien

Die Wiener Kunsthalle hat unter der Leitung von Gerald Matt neben ihren großen thematischen Ausstellungen immer wieder jüngeren und bei uns noch weitgehend unbekannten Künstlern Raum für Einzelausstellungen gegeben. Ab 17. Februar 2011 ist der aus Georgien stammende Andro Wekua im Erdgeschoß des Hauses zu sehen. "Never sleep with a strawberry in your mouth" ist der Titel der Schau.

Kulturjournal, 16.02.2011

2011 werde ein Superjahr für den jungen Künstler Andro Wekua, hat man jüngst im renommierten deutschen Wochenmagazin "Der Spiegel" lesen können. Vier bedeutende Orte für zeitgenössische Kunst will er erobern, das Castello di Rivoli bei Turin, das Fridericianum im "documenta-geadelten" Kassel, die Nationalgalerie in Berlin und jetzt zu Beginn die Wiener Kunsthalle, deren Leiter Gerald Matt sich natürlich freut, dass er immer wieder junge Künstler am Anfang ihrer Karriere zeigt und mit Wekua glaubt, wieder einen Volltreffer gelandet zu haben.

Kein Interview möglich

Nur schade, dass der Künstler nicht sprechen will. Das sagen einem schon die freundlichen, besorgt blickenden Mitarbeiter, wenn man das Haus betritt. Aber vielleicht könne man ihm ja doch den einen oder andere Satz aus der Nase ziehen. Um 11:00 Uhr sind jedenfalls Fernsehen und Hörfunk gestellt für das mit ihm vereinbarte Interview, nur vom Künstler keine Spur. Schade, noch dazu, weil ja Andro Wekua schon lange in Berlin und Zürich lebt und der deutschen Sprache durchaus mächtig wäre.

Nach einer gewissen Zeit des Wartens zieht der enttäuschte Reporter von dannen. Was er gesehen hat? Einige Räume mit Installationen und Filmarbeiten, dazu Musiksound, der die unheimliche Stimmung wiederholt, die wohl von den Arbeiten ausgehen soll. Cronenberg und Lynch lassen grüßen, auf der anderen Seite Segal, Barney und die Surrealisten. Ja, in der Kunstwelt gibt es halt selten wirklich Neues...

Hart an der Grenze zum Kitsch

Wekuas Collagen und Installationen, in denen auch immer wieder unheimliche Masken auftauchen, sind effektvoll inszeniert, schrammen bisweilen aber an der Grenze zum Gefühlskitsch vorbei. Der Journalist will mehr wissen und da er sich mit dem Künstler via Interview nicht auseinandersetzen kann, benützt er andere Quellen wie das Internet.

Dort findet er ein Interview mit Wekua, etwas langwierig und nicht gerade erhellend, in dem Wekua bereits seine Abneigung gegen Interviews und biografische Fragen zum Besten gibt. Nur eines mit dem Szene-Guru und seinem persönlichen Förderer, dem Künstler und Kurator Maurizio Cattelan lässt er gelten. Man soll jetzt nur mehr seine Kunst betrachten, sagt der bei uns weitgehend noch unbekannte 34-jährige Andro Wekua. Das kann man ab Donnerstag, 17. Februar 2011, in der Kunsthalle tun.

Service

Andro Wekua, "Never Sleep with a Strawberry in Your Mouth", 18. Februar bis 15. Juni 2011, Kunsthalle Wien,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (zehn Prozent).

Kunsthalle Wien - Andro Wekua