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Punkt eins
Französische Brandmauer gegen Links?
Frankreich nach dem tödlichen Angriff auf einen rechtsextremen Aktivisten. Gäste: Adrienne Woltersdorf, Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung Paris & Ass.-Prof. Mag. Dr. Thomas Angerer, Institut für Geschichte, Universität Wien.
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25. Februar 2026, 13:00
Die brutale Attacke mehrerer vermummter Linksextremer auf eine Gruppe Rechtsextremer am 12. Februar in Lyon endete für einen von ihnen tödlich: Quentin Deranque, 23, Mathematikstudent, gläubiger Katholik und rechter Aktivist erlag zwei Tage später seinen Kopfverletzungen. Seitdem tobt in Frankreich eine Debatte um gewaltbereite Linksextreme, die, wie es scheint, auch vor Mord nicht zurückschrecken.
Die Debatte wühlt Frankreich um so mehr auf, als zwei der Verdächtigen Mitarbeiter von Raphaël Arnault, einem Abgeordneten der linkspopulistischen Partei La France insoumise (LFI, etwa: Unbeugsames Frankreich) sind. Die gewalttätige Sprache des LFI führe schließlich zu realer Gewalt, betonte etwa Laurent Wauquiez, Vorsitzender der bürgerlichen Les Républicains (LR) in einem Interview mit der Pariser Sonntagszeitung "Journal du dimanche".
Wauquiez verlangte, LFI "politisch zu isolieren und zu ächten", sogar "aufzulösen", doch genüge das nicht, um eine politische Debatte zu gewinnen, so der Republikaner.
"Brandmauer gegen die Linke LFI? " überschreibt der in Lyon ansässige Nachrichtensender "Euronews" seinen Bericht über die politischen Folgen des Todes von Quentin Deranque, dem am Samstag mit einem Trauermarsch in Lyon gedacht wurde.
Die Stimmung ist aufgeheizt, der Marsch zum Gedenken an Deranque durfte - auch wenn der grüne Lyoner Bürgermeister dagegen war - trotzdem stattfinden, denn die Meinungsfreiheit, so der Innenminister, sei höher zu bewerten als das Risiko von Ausschreitungen.
Besonders der Vorsitzende des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, nutzte die Stimmung, um den politischen Gegner anzuklagen: "Die extreme Linke hat getötet", zitiert ihn "Euronews". Bardella beschuldigte LFI-Gründer Jean-Luc Mélenchon und dessen Bewegung, ein "ideologischer Brutkasten für gewalttätige Bewegungen" zu sein, die "ein Klima der Spannung und der Unordnung auf der Straße wie in der Nationalversammlung installieren".
Im selben Beitrag ordnet "Euronews" die brutale Attacke der linksextremen Schläger mit Verweis auf die Urheber politischer Gewalt ein: Demnach wurden von 53 ideologisch motivierten Morden zwischen 1986 und 2021 fast neun von zehn von rechtsextremen Aktivisten verübt.
Drei Wochen vor den Kommunalwahlen und ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich haben die Aufwallungen durch den Tod des identitären Aktivisten die Landesgrenzen überschritten: Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach von einer "Wunde für Europa" und der US-Botschafter in Paris, Charles Kushner, befand, "der gewaltbereite Linksextremismus" in Frankreich "stelle eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit" dar - ein Kommentar, der ihm sogleich den Unmut der französischen Regierung und die Einbestellung beim Außenministerium einbrachte, der er allerdings nicht gefolgt ist.
Alexander Musik diskutiert mit Adrienne Woltersdorf, Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung Paris, und Ass.-Prof. Mag. Dr. Thomas Angerer vom Institut für Geschichte an der Universität Wien über die Stimmung in Frankreich nach dem Tod des rechtsextremen Aktivisten Quentin Deranque, das Programm der immer mehr ins politische Abseits gedrängten Partei LFI und die Funktion ihrer 2025 offiziell aufgelösten Vorfeldorganisation "Jeune Garde antifasciste".
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Was will LFI? Inwieweit spielt der tödliche Angriff auf Quentin Deranque dem rechtsextremen Rassemblement National in die Hände? Welche Möglichkeiten hat Staatspräsident Emmanuel Macron, Ruhe und Ordnung im Land aufrecht zu erhalten? Welche Rolle spielen rechts- und linksextreme Vorfeldorganisationen wie die Jeune Garde für die Parteien?
Sendereihe
Gestaltung
- Alexander Musik
