Annie Girardot ist tot

Die französische Schauspielerin Annie Girardot ist 79-jährig gestorben. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Enkelin der Schauspielerin. Girardot litt an der langsam fortschreitenden Alzheimer-Krankheit.

Abendjournal, 28.02.2011

Den österreichischen Kinozuschauern wird sie nicht nur als tyrannische Mutter der von Isabelle Huppert gespielten Klavierlehrerin Erika Kohut in Michael Hanekes Jelinek-Verfilmung "Die Klavierspielerin" in Erinnerung bleiben. Girardot war einer der Stars des französischen Kinos und spielte an der Seite von Alain Delon, Yves Montand, Philippe Noiret oder Jean-Paul Belmondo.

Girardot über "Die Klavierspielerin"

"Mein Glück finde ich vor der Kamera", hatte die Französin im Jahr 2006 zu ihrem 75. Geburtstag gesagt. Der Dichter Jean Cocteau hat sie einmal als das "schönste dramatische Talent der Nachkriegszeit" bezeichnet.

Die Schauspielerin konnte auf mehr als 100 Filme zurückblicken. In rund 40 Jahren sah man Girardot in künstlerisch ambitionierten, aber auch nur unterhaltsamen Filmen in den verschiedensten Berufen, als Richterin, Rechtsanwältin, Taxichauffeurin oder Polizistin.

Hanekes "Klavierspielerin"

In "Dillinger ist tot" (1968) von Marco Ferreri war sie die Partnerin von Michel Piccoli. Drehbuchautor Michel Audiard schrieb ihr mehrere Filmrollen. In "La Gifle" von Claude Pinoteau tröstete sie ihre Filmtochter Isabelle Adjani, als Lino Ventura sie ohrfeigte. Unvergessen bleibt sie auch als komisches Talent in "Der Querkopf" von Claude Zidi an der Seite von Louis de Funes.

2001 und 2005 war sie in einem Film von Michael Haneke zu sehen. In "Die Klavierspielerin" spielte sie mit Isabelle Huppert und Benoît Magimel; in Caché waren sie an der Seite von Juliette Binoche und Daniel Auteuil zu sehen.

Preis bei Biennale von in Venedig

Zu ihren Erfolgen zählten "Rocco und seine Brüder" (1960) von Luchino Visconti mit Alain Delon oder "Drei Zimmer in Manhattan" (1965) von Marcel Carné, für den sie auf der Biennale in Venedig den Preis der besten Darstellerin erhielt. "Aus Liebe sterben" (1970) machte sie zum Weltstar.

Girardot war dreimal Preisträgerin des Filmpreises Cesar, 1977 als beste Schauspielerin für "Dr. med. Francoise Gailland", 1996 als beste Nebendarstellerin für "Les Misérables", 2002 als beste Nebendarstellerin für "Die Klavierspielerin".

Symbolfigur für Kampf gegen Alzheimer

Annie Girardot war seit 1962 mit dem Schauspieler Renato Salvatori, den sie bei den Dreharbeiten zu "Rocco und seine Brüder" kennengelernt hatte, verheiratet. Mit ihm hatte sie ihre Tochter Giulia Salvatori. 1988 starb ihr Mann, von dem sie getrennt lebte.

Im Jahr 2006 hatte die Familie Girardots ihre bereits drei Jahre andauernde Alzheimer-Erkrankung publik gemacht, seither war die Schauspielerin zur Symbolfigur für den schwierigen Kampf gegen diese Krankheit geworden. Mit Nicolas Baulieu drehte sie die Alzheimer-Dokumentation "Ainsi va la vie". Schon 1989 hatte Girardot ihre Memoiren mit dem Titel "Vivre d'aimer" veröffentlicht.

Text: APA, Red.; Audio: ORF